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Afghane unter Mordverdacht

 Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz berichteten die Ermittler über Einzelheiten der Festnahme. Foto: Patrick Seeger/dpa
Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz berichteten die Ermittler über Einzelheiten der Festnahme. Foto: Patrick Seeger/dpa FOTO: Patrick Seeger/dpa
Freiburg. Im Oktober wird in Freiburg eine Studentin vergewaltigt und getötet. Ein Haar hilft der Polizei und führt zur Festnahme eines Verdächtigen. Es ist ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan. dpa-Mitarbeiter Jürgen Ruf

Sieben Wochen nach dem Verbrechen, das nicht nur Freiburg erschüttert hat, sieht sich die Polizei am Ziel. Einer Streifenwagenbesatzung im Stadtteil Littenweiler, nicht weit vom Tatort entfernt, fällt am Freitag ein junger Mann mit rasierten Schläfen und Zopf auf. Die zwei Polizisten bringen ihn zur Kriminalpolizei.

Die ist sich nach einem DNA-Abgleich sicher: Der 17-Jährige ist der Gesuchte. Er soll eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und ermordet haben. Es ist ein junger Mann aus Afghanistan. Er kam 2015 als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland, lebte in Freiburg bei einer Pflegefamilie. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. "Bei aller Tragik des Geschehens freuen wir uns über diesen Erfolg", sagt der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger bei einer Pressekonferenz. Die Polizei stand in dem Fall unter Druck. Am Samstag präsentierte sie erste Details.

Dem 17-Jährigen werden Vergewaltigung und Mord zur Last gelegt, sagt Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer. Der Afghane äußere sich nicht. Doch die Beweise seien eindeutig. Zum Verhängnis wurde dem Mann ein einzelnes Haar seiner auffälligen, gefärbten Frisur. Die Medizinstudentin aus dem Enzkreis hatte Mitte Oktober an der Universität eine Studentenparty besucht und war nachts mit ihrem Fahrrad alleine auf dem Weg nach Hause. Am Fluss Dreisam, direkt neben dem Stadion des SC Freiburg , wurde sie Opfer des Sex-Verbrechens.



Am Morgen danach fand man ihre Leiche im Fluss. Todesursache ist Ertrinken. Wochen später ergab die Spurenauswertung ein 18,5 Zentimeter langes schwarzes, blondiertes Männer-Haar. Nachdem eine Polizistin ihn auf einem Überwachungsvideo erkannt hatte, wurde der 17-Jährige zur Fahndung ausgeschrieben - und zwei Tage später durch Zufall in dem Wohngebiet entdeckt. Polizisten erkannten ihn an der Frisur. Auf die Frage, ob der Verdächtige auch für den Mord an einer 27-jährigen Joggerin in Endingen bei Freiburg verantwortlich sein könnte, sagte die Polizei , dazu gebe es keine Hinweise.

Die Festnahme des minderjährigen unbegleiteten Flüchtlings löste im Internet rasch Debatten über die Flüchtlingspolitik aus. Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne), der schon seit langem das Sicherheitsgefühl in seiner Stadt beeinträchtigt sieht, mahnte in einer Mitteilung zur Besonnenheit und rief dazu auf, "die Herkunft des Täters nicht für Pauschalurteile heranzuziehen, sondern den Einzelfall zu betrachten". Überprüft werden soll den Angaben zufolge nun auch die Pflegefamilie sowie die Rolle der Behörden, die Aufsicht über den Flüchtling hatten. Angeklagt wird er nach Angaben des Staatsanwalts nach Jugendstrafrecht. Es drohten ihm damit maximal zehn Jahre Haft sowie die Abschiebung.