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Brexit
Viel zu spät und nicht konkret

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Von Katrin Pribyl

Mays Ansprache kommt mindestens ein Jahr zu spät. Endlich hat die Premierministerin zwar eingestanden, was Experten längst unzählige Male betont haben: Dass die Briten Kompromisse eingehen müssen und das Leben aller sich verändern wird. Doch abermals ging es vor allem darum, was Großbritannien nicht will. Zum jetzigen Zeitpunkt müsste das Königreich längst konkrete Lösungsvorschläge für die wichtigsten Themen haben. Wie etwa soll eine harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland vermieden werden? Die Vorstellung von May, Zollunion und Binnenmarkt zu verlassen und trotzdem ohne Grenzkontrollen auszukommen, gehört ins Märchenreich der Brexiters. Es ist März 2018, vor einem knappen Jahr wurde Artikel 50 ausgelöst und damit begann der auf zwei Jahre befristete Austrittsprozess. Fast zwei Jahre sind bereits seit dem Brexit-Votum vergangen. Britische Politiker hielten bislang etliche Reden – viel Rhetorik, wenig Substanz. Die EU dagegen wartete mit Entwürfen auf. Dass sich die Brexit-Anhänger auf der Insel darüber empören statt eigene konkrete Vorschläge zu präsentieren, zeigt, wie realitätsfremd einige Briten bis heute sind.