Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 23:30 Uhr

Urteil wirft Fragen auf

Inzest-VerbotUrteil wirft Fragen aufZu "Verbotene Liebe unter Geschwistern" (13.April) Patrick S., der mit seiner Schwester vier Kinder gezeugt hat, ist zu Recht bestraft worden. So hat es der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden. Das Urteil wirft Fragen auf. Patrick S. lernte seine Schwester kennen, als er 24 und sie 16 Jahre alt war

Inzest-Verbot

Urteil wirft

Fragen auf

Zu "Verbotene Liebe unter Geschwistern" (13.April)

Patrick S., der mit seiner Schwester vier Kinder gezeugt hat, ist zu Recht bestraft worden. So hat es der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden. Das Urteil wirft Fragen auf. Patrick S. lernte seine Schwester kennen, als er 24 und sie 16 Jahre alt war. Dass sie Geschwister sind, hatten sie erst nach der Geburt ihres zweiten Kindes erfahren. Die erste Frage, die das Urteil aufwirft: nach dem Wortlaut des § 173 StGB haben sich beide Geschwister strafbar gemacht - wieso wurde nur Patrick S. für drei Jahre in den Knast geschickt? Wurde seiner strafmündigen Schwester der Prozess gemacht? Wenn nein, warum nicht?

Daran schließt sich die zweite Frage an: Die strafrechtsbewehrte Verletzung einer Rechtsnorm setzt nach der Idee des Strafrechts als notwendige und hinreichende Bedingung einen Täter und ein Opfer voraus. In diesem Fall gab es aber nur zwei Täter und kein Opfer. Der Karlsruher Verfassungsrichter Winfried Hassemer schließt daraus in seinem Minderheitsvotum: Wo kein Opfer, da kein Täter - wo kein Täter, keine Tat, wo keine Tat auch und erst recht keine Straftat.

Das "Inzest-Tabu" braucht spätestens seit Siegmund Freuds Studien über das Exogamie-Gebot der Naturvölker keine Unterfütterung durch das Strafrecht. Rudi Freidinger, Homburg