| 23:16 Uhr

Glosse
Urlaubsgenuss

Die Welt wird immer schlechter? Offenbar doch nicht. Zumindest in der Urlaubspost ist sie ein Ort des immerwährenden Genusses. Früher nämlich wurde auf Postkarten noch der „schöne Strand“ oder das Wetter gelobt, hat eine Sprachforscherin der Technischen Universität Dresden festgestellt. Von Pia Rolfs

Heute dagegen würden die Texte immer kürzer, und auf Postkarten tauche ständig das Wort „genießen“ auf, so die Studie. Das trägt vermutlich der Tatsache Rechnung, dass in Restaurants statt „Guten Appetit“ immer öfter der Befehl erteilt wird: „Genießen Sie’s!“ Das ist eine Übersetzung des englischen „Enjoy!“, klingt aber im Deutschen, als ob kein Widerspruch geduldet wird. Und manchen ist es vielleicht schon ein Genuss, den Daheimgebliebenen von einem Urlaubsgenuss berichten zu können. Wenn sich die Texte bald noch weiter verkürzen, steht auf Postkarten dann folgerichtig bald nur noch „Ätsch“.

Gerade nicht urlaubende Kritiker könnten einwenden: Die Welt ist wohl doch schlechter geworden – die Menschen sind nur in der Lage, auch das noch zu genießen. Und dieses Argument muss zwar nicht stimmen. Aber los! Genießen Sie’s!