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Urlauber verhaftet
Die Türkei tut sich keinen Gefallen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wenn die Türkei deutsche Urlauber einsperrt, dann ist das ein Problem für die Bundesrepublik. Die türkische Regierung argumentiert zwar, Festnahmen wie die des Bundesbürgers Osman B. dienten der Gefahrenabwehr, weil Leute wie er angeblich staatsfeindliche Inhalte im Internet verbreiten. Von Susanne Güsten

Doch wenn friedliche Urlauber statt am Strand in der Zelle landen, nur weil ihre politischen Ansichten dem Gastland nicht passen, dann tut sich die Türkei keinen Gefallen. Manche Urlauber dürften sich künftig zweimal überlegen, ob sie nicht doch besser nach Griechenland oder Italien fahren sollten. Dass die Türkei plötzlich wieder als unsicheres Urlaubsland dasteht, hat sich die Regierung in Ankara nur selbst zuzuschreiben.

Verweise europäischer Regierungen auf Grundrechte wie die Meinungsfreiheit beeindrucken die türkischen Politiker nicht. Sie verfolgen kritische Kommentare, die in der EU von dem Recht auf freie Rede gedeckt sind, als Terrorverbrechen – auch wenn sie ihr Land damit noch weiter von europäischen Normen entrücken. Eine Kurskorrektur ist in Ankara so schnell nicht zu erwarten.