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Unruhige Zeiten für die SPD

Das wirkt doch merkwürdig unsortiert: Noch am Montag hatte sich Sigmar Gabriel von den Führungsgremien seiner Partei einen Fahrplan für die Beantwortung der K-Frage absegnen lassen. Demnach soll erst Ende Januar feststehen, wer für die SPD gegen Angela Merkel ins Rennen geht. Und nur drei Tage später gibt Martin Schulz , neben Gabriel der einzige ernsthafte Aspirant für die SPD-Kanzlerkandidatur, seinen Umzug von Brüssel in die Bundespolitik bekannt. Diese Ansage wird der SPD noch unruhige Wochen bescheren. Von einem geordneten Verfahren, wie es Gabriel gern gehabt hätte, kann jedenfalls kaum die Rede sein. Stefan Vetter

Das wirkt doch merkwürdig unsortiert: Noch am Montag hatte sich Sigmar Gabriel von den Führungsgremien seiner Partei einen Fahrplan für die Beantwortung der K-Frage absegnen lassen. Demnach soll erst Ende Januar feststehen, wer für die SPD gegen Angela Merkel ins Rennen geht. Und nur drei Tage später gibt Martin Schulz , neben Gabriel der einzige ernsthafte Aspirant für die SPD-Kanzlerkandidatur, seinen Umzug von Brüssel in die Bundespolitik bekannt. Diese Ansage wird der SPD noch unruhige Wochen bescheren. Von einem geordneten Verfahren, wie es Gabriel gern gehabt hätte, kann jedenfalls kaum die Rede sein.

Schulz hat bis zuletzt beteuert, am liebsten weiter EU-Parlamentspräsident bleiben zu wollen. Doch offenkundig machte ihm die Europäische Volkspartei, in der auch die EU-Abgeordneten der Union organisiert sind, einen Strich durch die Rechnung. Vielleicht spielte dabei eine Rolle, dass die C-Parteien schon zähneknirschend den SPD-Mann Frank-Walter Steinmeier als Präsidentschaftskandidaten akzeptieren mussten. Noch ein weiteres "Geschenk" für die Sozialdemokraten wäre aus Unions-Sicht wohl der Schmach zu viel gewesen. Umso mehr erweckt Schulz nun allerdings den Eindruck, dass es sich bei seiner nationalen Anschlussverwendung - in welchem Amt am Ende auch immer - um einen Notnagel handelt.

Natürlich wäre Schulz schon aufgrund seiner großen europapolitischen Erfahrung kein schlechter Außenminister. Aber ginge zugleich auch SPD-Kanzlerkandidat, wie er es womöglich anstrebt? 2009 übte Steinmeier beide Jobs in Personalunion aus. Das Ende ist bekannt: Mit nur 23 Prozent fuhren die Sozialdemokraten ihr schlechtestes Wahlergebnis in der Nachkriegsgeschichte ein. So muss es nicht wieder kommen.



Aber ein Merkel-Herausforderer, der praktisch bis zum Schließen der Wahllokale in die Kabinettsdisziplin eingebunden ist, kann sich nur bedingt als leuchtende Alternative empfehlen. Für Gabriel gilt das übrigens genauso. Und Gabriel hat noch ein weiteres Problem: Würde er die Spitzenkandidatur Schulz überlassen, müsste er auch um seine innerparteiliche Autorität fürchten. Ein SPD-Chef, der zum zweiten Mal in Folge vor Merkel kneift, wäre nur noch ein schwacher Chef.

Mit derlei Gedankenspielen dürfte die SPD nun verschärft konfrontiert sein. Die Personalfrage wird alles andere überlagern. Dabei wäre es auch einfacher gegangen. Anstatt auf schwerlich haltbare Zeitpläne zu pochen, hätten Gabriel und Schulz schon am Montag gemeinsam im Willy-Brandt-Haus über ihre Zukunft Farbe bekennen können. Das wäre einen Tag nach dem verkündeten Wiederantritt Angela Merkels eine couragierte Botschaft gewesen.