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Berliner Notizen
Unglaublich (un)charmant

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Alexander Dobrindt, ein geliebter Feind der Genossen, durfte am Mittwoch auf dem Sommerfest der SPD-Fraktion sprechen. Ließ sich nicht verhindern, ist ja ein Koalitionspartner. Zur Erinnerung: Der „doofe Dobrindt“ (Andrea Nahles) hatte den Sozialdemokraten bei den zähen Koalitionsverhandlungen vorgeschlagen, auf ihrem Parteitag aufzutreten. Von Hagen Strauss

Nun ist es das Sommerfest geworden. „Danke­schön, ich darf hier das erste Mal sein“, sprach der CSU-Mann. Vielleicht war es auch das letzte Mal.

Wolfgang Kubicki, Bundestags-Vizepräsident, musste während der Agrardebatte seinem FDP-Freund Gero Hocker beispringen. Hocker hatte Ministerin Julia Klöckner von der CDU zugerufen, es reiche nicht aus, „charmant aufzutreten“ und „immer eine gute Figur zu machen“. „Uiuiui, „das war Sexismus“, lautete ein Zwischenruf. Und die Linke Kirsten Tackmann meckerte: „Das ist unglaublich!“ Worauf Kubicki meinte: „Unglaublich? Stellen Sie sich mal vor, er hätte gesagt, sie tritt uncharmant auf, das wäre noch viel un­glaublicher.“



Die AfD vermittelt gerne das Bild des faulen Bundestages. Am Donnerstag schoss ihr Abgeordneter Stephan Brandner ein Eigentor. Er saß im Plenarsaal und las ganz entspannt Zeitung. Okay, das machen viele. Aber Vize-Präsident Thomas Oppermann intervenierte: „Herr Brandner, würden Sie die Zeitung vielleicht ein bisschen runternehmen?“ So, wie er sie hoch halte, „könnte der falsche Eindruck entstehen, dies sei ein Kaffeehaus. Es ist aber ein Arbeitsparlament“.

Neues von Christian Lindner. Der FDP-Chef, Freund von Zigarren und Sportwagen, hat jetzt den Jagdschein gemacht, er darf also Rehe und Wildschweine schießen. Vor einigen Tagen bekam er die entsprechende Urkunde für die erfolgreich absolvierte Prüfung überreicht. Nun kann man von der Jagd halten, was man will, aber es heißt, die Jägerprüfung sei sehr kompliziert. Aber bestimmt nicht schwieriger, als eine rausgeflogene Partei wieder in den Bundestag zurückzubringen.