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WM-Kolumne
Unerwartet viele Verbindungen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Nun geht es also los. Vier Wochen lang wird in der Merkur-Sportredaktion, aber auch bei mir zuhause alles nach dem Spielplan der Fußball-WM in Russland ausgerichtet. Vor dem Anpfiff des Auftaktspiels heute Nachmittag bleibt mir noch etwas Zeit, einmal in meinem Gedächtnis zu kramen, herauszufiltern, was meine Synapsen neben Putin, Wodka und dem Kreml eigentlich mit dem Gastgeberland für Verbindungen aufdecken.

Als große Fußballnation jedenfalls ist das riesengroße Land dort noch nicht haften geblieben. Bei sechs Anläufen hat die Sbornaja bisher drei Mal den Sprung zur WM – 1994, 2002, 2014 – geschafft, die Vorrunde aber nie überstanden. In der jetzigen Gruppe mit Uruguay, Ägypten und Saudi-Arabien scheint dieser Schritt für das Team von Trainer Stanislav Cherchesov nicht unmöglich. Doch einfach wird er auch nicht. Der Weg ins Achtelfinale scheint schwer für die ohne große Stars auflaufende Mannschaft.

Bevor mir also ihr „Futbol“ in den Sinn kommt, fällt mir beim Gedanken an Russland vieles anderes ein. An oberster Stelle meine Mama. Schließlich waren noch an ihrem Mädchennamen „Kazakov“ deutlich ihre Wurzeln – ihr Großvater kam aus Russland – zu erkennen. Dann denke ich auch gleich an ihr leckeres Boeuf Stroganoff. Das sie – wo ich den Kochlöffel in der Redaktion in diesem Jahr ohnehin an meinen Kollegen Mirko Reuther abgegeben habe, der sich an die kulinarischen Köstlichkeiten der deutschen Gruppengegner heranwagt – eigentlich mal wieder für mich zubereiten könnte. Vielleicht ist ja irgendwo noch Platz in dem voll gepackten WM-Terminkalender. Aber ich schweife ab. Zurück zu Russland: Da fallen mir noch die Matrjoschkas, die ineinander gestapelten, immer kleiner werdenden Puppen ein. Die früher häufiger durch mein Kinderzimmer gekullert sind. Der Volkstanz Kasatschok, für den mir das Gleichgewicht fehlt. Und Wladimir Kaminer. Seine Bücher, Lesungen und vor allem seine ehemalige Russendisko im Café Burger in Berlin. Plötzlich kommen doch viel mehr Gedanken hoch als erwartet.

Mit Fußball hat das alles – zugegebenermaßen – ziemlich wenig zu tun. Vielleicht schafft es die Sbornaja ja, mit dem Turnier im eigenen Land in meinem Kopf noch eine neue Verbindung anzulegen.