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| 23:17 Uhr

Trumps Kampagne läuft nicht mehr rund

New York. Friedemann Diederichs (Merkur),Gabriele Chwallek (dpa)

Vor dem Trump-Tower im Herzen Manhattans verrichteten auch am Wochenende ein Dutzend stämmige Sicherheitskräfte ihre tägliche Arbeit: Demonstranten zurückhalten, die im Foyer ihrem Unmut über die kontroversen Thesen des Präsidentschaftskandidaten Luft machen wollen. "Er ist rüde, arrogant und eine Beleidigung für jede Frau", sagt etwa Brianna Jones aus Brooklyn, die hier protestiert. Nein, Mr. Trump sei nicht zu sprechen, lautet die Standardauskunft der Aufpasser. Am Wochenende traf das zu: Trump hielt sich unter anderem im US-Bundesstaat Wisconsin auf, wo morgen Vorwahlen stattfinden. Dort könnte sich der von seinen Kritikern und Gegnern seit langem erhoffte Abwärtstrend in der Wählergunst endlich einstellen.

Trumps jüngste Provokation, es müsse auch für abtreibende Frauen "eine Form von Bestrafung" geben, falls Schwangerschaftsabbrüche illegal seien, könnte nach Ansicht vieler Beobachter das Fass zum Überlaufen bringen. Quer durch die USA gab es einen Aufschrei der Empörung. Auch Trumps Versuch, seinen Fehltritt damit zu erklären, man habe seine Aussage "aus dem Zusammenhang gerissen", konnte den Schaden bisher nicht begrenzen. Umfragen zeigen: Trumps ärgstem Widersacher Ted Cruz ist es zuletzt gelungen, seinen Rückstand in Wisconsin nicht nur wettzumachen, sondern sogar mit rund zehn Punkten in Führung zu gehen.

Bestätigt sich dieser Trend morgen Abend bei der Stimmenauszählung, würden Trumps Chancen deutlich schrumpfen, vor dem Nominierungsparteitag im Juli die absolute Mehrheit der Delegierten einzufahren. Es könnte, so hofft die Parteispitze, eine entscheidende Wende für den vom konservativen Establishment in Washington ungeliebten Bewerber sein. Zumal Trump am Wochenende weitere Fettnäpfchen traf. Im Interview mit der "Washington Post" erklärte der Multimilliardär nicht nur, er sehe die USA auf dem Weg in eine "massive Rezession". Desungeachtet will er im Fall seines Wahlsieges die US-Schulden von mehr als 19 Billionen Dollar binnen acht Jahren auf Null abbauen. Die Zeitung beschreibt das Gespräch als "enthüllend". Trumps Äußerungen etwa zur US-Wirtschaft und Verschuldung stünden im Widerspruch zur Einschätzung volkswirtschaftlicher Experten - und manche seiner Ausführungen hielten selbst einfacher Mathematik nicht stand.

Konkurrent Cruz schöpft derweil Hoffnung auf einen Absturz des Höhenfliegers. "Das ganze Land schaut nun auf Wisconsin", meint er. "Und der Ausgang wird langfristige Folgen haben." Trump gibt sich zwar weiter ungerührt und optimistisch. Doch zuletzt musste er mehr Zeit für Krisen-Management als für das Werben um Stimmen aufwenden. Die Tatsache, dass sein Kampagnen-Manager Corey Lewandowski in Florida mit strafrechtlichen Folgen rechnen muss, weil er gegen eine Reporterin handgreiflich wurde, macht Trumps Wahlkampf nicht wirklich einfacher. Zumal er seinen Mitarbeiter partout nicht fallen lassen will.

Dass für den Milliardär in Wisconsin viel auf dem Spiel steht, belegen nüchterne Zahlen. Falls Cruz siegt und damit alle 42 Delegiertenstimmen erhält, müsste Trump 57 Prozent der Delegierten in den ausstehenden Vorwahlen gewinnen, um die für die Nominierung erforderlichen 1237 Stimmen einzusammeln. Das allerdings dürfte extrem schwierig werden: Bisher hat er im Schnitt nur 48 Prozent der Delegierten für sich einnehmen können.