| 21:40 Uhr

Verzichten leicht gemacht
Digitales Intervallfasten

Die Fastenzeit dient heutzutage oft nur der Willensoptimierung. Damit man sich selbst beweist: Ich kann auch mal verzichten! Fragt sich bei all der geplanten Anstrengung nur, worauf. Von Pia Rolfs

Wer aus Mangel an Genüssen gar nicht fündig wird, könnte vielleicht die Trends Intervallfasten und „Digital Detox“ kombinieren – zum digitalen Intervallfasten. Einfach mal in einer Besprechung, nachts oder auch am Steuer das Handy ausschalten. Eine total verrückte Idee! Na gut, eigentlich ist das ohnehin höflich, ratsam oder sogar gesetzlich geboten. Aber diese Aspekte klingen einfach nicht so trendy. Sondern irgendwie nur analog und nach „Boomer“, wie die ewigjunge Generation 50plus jetzt plötzlich auch fast offiziell genannt wird.

Natürlich besteht die nicht zu unterschätzende Gefahr, dass eine Zeit ohne Handy versehentlich zum Nachdenken genutzt wird – einfach weil dem Betreffenden langweilig wird. Das ist zunächst ein wenig beunruhigend, kann aber durch einen Griff zum Handy jederzeit unterbrochen werden. Denn der Verzicht muss dann nur abrupt die Richtung ändern – zum intellektuellen Intervallfasten.