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Kommentar
Verkorkste Kommunikation

Unter Beobachtern in Mainz sorgen die Newsroom-Pläne der Landesregierung längst für Sarkasmus: Manch einer fragt schon, ob die Staatskanzlei künftig Late-Night-Formate aus­strahlt, im Netflix-Stil eigene Serien produziert oder stündlich Nachrichten sendet. Von Florian Schlecht

Scherze wie diese zeigen: Die Kommunikation über die eigene Kommunikation ist verkorkst. Wenn Regierungssprecherin Bähner den Aufbau eines modernen Mediendienstes auch damit begründet, dass die Versorgung durch klassischen Journalismus sinkt, legt das erst einmal den Verdacht nahe, dass die Staatskanzlei in eine Lücke hineinstoßen will, in die sie nicht gehört. Wo unabhängige Journalisten die Aufgabe haben, Informationen kritisch zu hinterfragen, zu analysieren und verschiedene Meinungen abzubilden, betreibt eine Regierung meist ungefilterte PR, die das eigene Wirken in der Öffentlichkeit im besten Licht erscheinen lassen soll. Die Trennlinie muss daher eindeutig erkennbar bleiben.

Zugleich ist es natürlich auch das gute Recht der Staatskanzlei, die Bürger über ihre Arbeit zu informieren und auf diesem Weg möglichst viele Menschen zu erreichen. Da ist es klar, dass auch Rheinland-Pfalz ein neues, entstaubtes Konzept benötigt: Immer mehr Menschen informieren sich im digitalen Zeitalter via Youtube, Instagram, Snapchat, Facebook und Twitter über das Geschehen auf der Welt.



Vernachlässigen Politik und Medien diese Kanäle, laufen sie Gefahr, gerade jüngere Zielgruppen kaum mehr zu erreichen.

Und doch steht die Ampel-Landesregierung unter Beobachtung, nachdem sie selber in einem Beitrag das Ziel genannt hat, Informationen „bündeln, vernetzen und analysieren“ zu wollen. Das ist und bleibt eben doch die Aufgabe unabhängiger Journalisten. Aufpassen muss die Staatskanzlei auch, nicht über Steuergeld kostenlose Konkurrenzangebote zu schaffen, die die Gratis-Kultur im Netz weiter anheizen.

Sollte das der Fall sein, muss Ministerpräsidentin Malu Dreyer kritisch hinterfragen, ob sie als Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder dann noch ernsthaft als Vertreterin für unabhängigen Journalismus einstehen kann.