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Premierministerin mit königlichem Segen

 In Schuhen mit Leopardenmuster machte Theresa May ihren Antrittsbesuch bei der Queen. Foto: Dominic Lipinski/dpa
In Schuhen mit Leopardenmuster machte Theresa May ihren Antrittsbesuch bei der Queen. Foto: Dominic Lipinski/dpa FOTO: Dominic Lipinski/dpa
London. Stabübergabe in London: Drei Wochen nach dem Brexit-Votum trat die bisherige Innenministerin Theresa May gestern die Nachfolge von Premierminister David Cameron an. May muss nun die Briten aus der EU führen. Katrin Pribyl

Dieser gestrige Mittwoch sollte eigentlich ein Donnerstag in der Zukunft sein. Den 19. September im Jahr 2019 hatte David Cameron im Kalender bereits mit einem Bleistift vorsichtig markiert. Dann wollte er ein letztes Mal am Buckingham-Palast vorfahren und bei Königin Elizabeth II. offiziell seinen Rücktritt als britischer Premierminister einreichen, bevor ein Nachfolger die Konservativen in den Wahlkampf für die Abstimmung im Mai 2020 führen sollte. Alles kam anders. Gestern, am 13. Juli 2016, zog Theresa May als neue Premierministerin in die Downing Street Nummer zehn ein. "Ich war einmal die Zukunft", sagte Cameron bei seinem letzten Auftritt als Regierungschef im Parlament und spielte damit auf eine Bemerkung an, die er in seiner ersten Fragestunde an den Ex-Premier Tony Blair richtete. Jetzt gehört auch David Cameron zur Vergangenheit. Die 59-jährige May übernahm als zweite Frau nach Margaret Thatcher die Amtsgeschäfte des Königreichs.

Bereits seit Dienstag parkten vor der berühmten Adresse die Umzugswagen der Möbelpacker. Ein Restaurant lieferte ein Curry zum Dinner, während die Familie packte. Nur wenige Stunden zuvor hatte Cameron den Wechsel verkündet, nachdem May als einzige Kandidatin für den Vorsitz verblieben war und deshalb nicht mehr von der Parteibasis gewählt werden musste. Gestern beobachtete dann eine Pressemeute vor der schwarzen Tür jegliche Bewegung. Meist wurden die Journalisten jedoch nur von Kater Larry beehrt, der Chef-Mäusefänger des Regierungssitzes.

Erst am Mittag machte sich Cameron auf zu seiner finalen Fragestunde als Premierminister im Unterhaus. Es sollte eine humorige werden. "Ich werde die Rufe der Menge vermissen, mir werden die Buhs der Opposition fehlen", sagte ein gut gelaunter Cameron. Man konnte sich fast wundern: Schließlich hinterlässt der Konservative seiner Nachfolgerin ein Erbe, das schwerer kaum sein könnte. Theresa May muss das Königreich nach dem historischen Brexit-Votum aus der EU führen. Können die Briten wirklich, wie sie sich das wünschen, weiterhin den freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt genießen und gleichzeitig die Einwanderung aus den Mitgliedstaaten einschränken?



May, die auf der Seite der EU-Befürworter stand, hat sich bereits als Innenministerin beim Thema Immigration als Verfechterin einer harten Linie präsentiert. Nun wird die Aufgabe ungleich härter. Und da bekommt sie es auch mit Angela Merkel zu tun, mit der sie dieser Tage häufig verglichen wird. Brexit-Premierministerin gegen Kanzlerin Europa - die Presse hat ihr Wunschduell bereits ausgemacht. Tatsächlich teilen sie viele Gemeinsamkeiten. So gelten die beiden konservativen Politikerinnen als prinzipientreu, zielstrebig und fokussiert. "Brexit bedeutet Brexit", hat May mehrmals betont und damit Gerüchten nach einem Exit vom Brexit eine Absage erteilt. Doch etliche Fragen nach dem Wann und Wie sind ungeklärt. Und Cameron? Am späten Nachmittag reichte er bei Königin Elizabeth II. sein Rücktrittsgesuch ein. Nur kurze Zeit später erschien May mit ihrem Mann Philip zur ersten Audienz im Palast, auf das nun die traditionellen, wöchentlichen Treffen folgen werden. Die Queen beauftragte als erstes die designierte britische Premierministerin May mit der Regierungsbildung . Dabei werden einige neue Gesichter erwartet.