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Interview
Peter Bofinger: „Die Krise nicht herbeireden“

Peter Bofinger, Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen.
Peter Bofinger, Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen. FOTO: picture alliance / dpa / Michael Kappeler
Berlin . Mit Italiens neuer Regierungspolitik drohe der Euro-Zone eine schwere Krise, warnen deutsche Politiker. Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sieht durchaus Möglichkeiten für eine Entspannung der Lage. Von Stefan Vetter

Für Peter Bofinger, einen der Wirtschaftsweisen, ist eine Krise der Euro-Zone durch die neue Regierung in Rom noch nicht ausgemacht.

Herr Bofinger, wie beurteilen Sie die politischen Signale aus Rom?

BOFINGER Man sollte die Krise nicht herbeireden. Aber klar ist, dass die neue italienische Regierung den Rest des Euro-Raums provoziert. Man könnte ja über dringend notwendige Investitionen in die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit Italiens diskutieren und dafür womöglich auch neue Schulden in Kauf nehmen. Aber sich für Steuergeschenke an die Reichen zu verschulden, wie es die italienische Regierung vorhat, das geht völlig in die falsche Richtung.



Hat die EU überhaupt ein Druckmittel, um Rom von der Euro-feindlichen Politik abzubringen?

BOFINGER Es gibt natürlich Sanktionsmöglichkeiten im Rahmen des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit Strafzahlungen rechnen. Im Falle Italiens gab es dafür aber bislang noch keinen Grund, weil es die Regeln nicht überstrapaziert hat.

Italien könnte auch von selbst die Euro-Zone verlassen.

BOFINGER Das sollten wir uns nicht wünschen. Für Deutschland wäre ein Austritt Italiens aus der Euro-Zone problematisch, weil dann auch schnell andere Länder folgen könnten. Unsere Wirtschaft profitiert vom Euro so stark wie kaum eine andere in Europa. Da führt auch das Argument in die Irre, der deutsche Steuerzahler könne mit einer Abkehr Italiens vom Euro viel Geld sparen. Die Folge eines Euro-Crashs wären für Deutschland geringere Unternehmensgewinne, geringere Lohneinkommen und damit immense Steuerausfälle.

Das Gespräch führte Stefan Vetter

Vollständiges Interview im Internet: www.pfaelzischer-merkur.de/interviews