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Neues aus der Hauptstadt
Habeck und der Personenkult

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Noch steht nicht fest, wer das Rennen um den CDU-Vorsitz macht. Klar ist nur, dass es keine Doppelspitze bei den Christdemokraten geben wird. Jedenfalls wenn es nach Friedrich Merz geht. Von Stefan Vetter

Als der Kandidat kürzlich mit der Idee konfrontiert wurde, ein Führungsduo mit seiner Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer zu bilden, antworte Merz kurz und klar: „Nein“.  Dabei haben Demoskopen festgestellt, dass die CDU viele Wähler an die Grünen verliert – die Heimatpartei der Doppelspitzen. 

Die Rede der Noch-CDU-Chefin und Nach-wie-vor-Kanzlerin Angela Merkel im Europaparlament am vergangenen Dienstag nutzte natürlich auch Spaßvogel Martin Sonneborn, Vertreter der „Partei“, für eine Wortmeldung. Sein einminütiger Beitrag wurde zu einer Liebeserklärung. Natürlich eine vergiftete: „Sie werden mir immer sympathischer, je mehr ich die Leute sehe, die ihnen folgen werden.“ Sonneborn bat Merkel dann noch, Deutschland bitte besenrein zu hinterlassen. „Das wäre nett.“



Unter dem Punkt „Schlussinszenierung des Europaparteitages“ trat beim jüngsten Grünen-Treffen in Leipzig der Vorsitzende Robert Habeck auf. Dabei tigerte er 15 Minuten lang über die Bühne und sprach ohne Manuskript, derweil hinter ihm eine große Weltkugel an der Wand prangte. Schon gleich zu Beginn waren die Delegierten so verzückt, dass Habeck ihren Applaus kaum noch übertönen konnte. Deutlich zu hören war aber sein Satz: „Eine Politik, die auf Personenkult setzt, ist eine eingeengte Politik, das Gegenteil von dem, was wir brauchen.“ Gut beobachtet.

Ex-Parteichefin Claudia Roth ist längst grünes Urgestein. In Leipzig saß die mittlerweile 63-jährige Bajuwarin wieder mit auf dem Podium. Zu erkennen auch an einem besonders schrillen Outfit, das dem eines Harlekins locker hätte Konkurrenz machen können. Im Berliner Büro von Parteichef Habeck hängt übrigens eine große bunte Lampe. Ein Geflecht aus kleinen Glühbirnen mit farbigen Anhängern. Grüne Insider nennen es „Claudias Rache“.