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Glosse
Nasen aneinander

Händeschütteln ist nicht mehr attraktiv – kein Wunder. Schließlich haben Hände heute anderes zu tun und müssen ständig auf Smartphone oder Tablet herumwischen. Von Pia Rolfs

Da kann eine analoge Berührung von Mensch zu Mensch nur stören.

Zudem sehen manche den anderen nur noch als Keimschleuder. Und in der Tat wäre es hilfreich, gleich zum Nasen-Aneinanderreiben überzugehen. Das erspart den mühsamen Umweg von Bakterien über die Hände, beschleunigt Grippewellen, die dann schneller vorbeiziehen. Und wenn dann eine Erkältungsnase zart an die andere tropft, schafft das schon eine Form von Intimität, ja geradezu Erotik. Die entsteht bekanntlich im Kopf.

Außerdem macht das Nasen-Aneinanderreiben zwangsläufig höflicher. Wer diese Begrüßungsform wählt, kann nämlich über den anderen nicht gleichzeitig die Nase rümpfen, ihm etwas unter die Nase reiben oder den Kopf schütteln. Und spätestens ab dem Zeitpunkt Altersweitsichtigkeit ist das Gegenüber beim Nase-Aneinanderreiben nur noch verschwommen zu erkennen, So lässt sich anhand des Gesichtsausdrucks gar nicht mehr sehen, ob einer vom anderen längst die Nase voll hat.