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Milliarden-Starthilfe für das Elektroauto

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fuhr gestern in Berlin in seinem Elektro-Dienstwagen vor. Foto: Michael Kappeler/dpa
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fuhr gestern in Berlin in seinem Elektro-Dienstwagen vor. Foto: Michael Kappeler/dpa FOTO: Michael Kappeler/dpa
Berlin/Saarbrücken. Elektroautos fristen bisher ein Nischendasein. Das soll sich mit einer 4000 Euro Kaufprämie nun ändern. Und auch in den Bau von Ladestationen will der Bund kräftig investieren. dpa-Mitarbeiter Sascha Meyer

Der Motor summt leise und bläst kein Gramm Schadstoffe in die Luft. Sogar die Akkufüllung gibt es in einigen deutschen Regionen. Elektroautos haben Vorteile - trotzdem blieben sie bisher eher Ladenhüter. Nach aktuellem Stand fahren auf deutschen Straßen bisher nur 33 000 reine E-Autos plus 19 000 Hybride, die sich an heimischen oder öffentlichen Stationen aufladen lassen. Und das bei 45 Millionen Autos insgesamt in Deutschland.

Damit Elektro-Modelle nicht länger nur ungenutzt beim Autohändler stehen, soll schon im Mai ein Argument dazukommen: bis zu 4000 Euro Kaufzuschuss - mit freundlicher Empfehlung von Staat und Hersteller. Das soll Schwung bringen, um die Nachfrage auf dem deutschen Markt endlich auf Touren zu bringen. Ob ausgerechnet Kaufprämien der Schlüssel dazu sind, ist jedoch heftig umstritten.

Geeinigt haben sich Autobranche und Bundesregierung gestern auf folgendes Modell: Für reine E-Autos mit Batterie gibt es 4000 Euro Prämie - 2000 Euro vom Bund und 2000 Euro vom Hersteller. Insgesamt 3000 Euro sollen es für Hybridautos sein, die per Stecker geladen werden, aber auch einen Verbrennungsmotor haben. Generell darf das gewünschte Modell allerdings maximal 60 000 Euro nach Listenpreis kosten. "Wer sich einen Porsche Cayenne leisten kann, braucht keine Unterstützung aus Steuergeldern", argumentierte SPD-Bundestagsfraktionsvize Sören Bartol.



Damit Kunden überhaupt auf einen Zuschuss hoffen können, muss sich zuerst der Hersteller verpflichten, dass er die Hälfte der Prämie zahlt. Zugesagt haben dies Daimler, VW und BMW . Für ausländische Anbieter erklärte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller , selbstverständlich würden auch sie sich "in angemessener Form" an der Finanzierung beteiligen.

Konkret sollen bis zu 2000 Euro vom Listenpreis abgezogen werden, wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU ) erläuterte. Dies wird im Kaufvertrag dokumentiert, mit dem man dann die "Bundesprämie" beantragen kann - beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das 2009 bereits die Abwrackprämie managte.

600 Millionen Euro liegen im Fördertopf. Das soll für bis zu 400 000 Fahrzeuge reichen, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU ). Dabei sollen auch Selbstständige und Firmen als Kunden zum Zuge kommen können. Von der Prämie erhofft man sich einen schnellen Zuwachs bei den E-Auto-Käufen.

Zum regierungsamtlichen Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 ist es aber weit. Als Bestandteil des Förderpakets setzt man daher auch auf den Ausbau des Ladenetzes. Ziel sind 15 000 zusätzliche Stromtankstellen, davon mindestens 5000 besonders schnelle. Das soll die Sorgen vieler Autofahrer zerstreuen, mit leerer Batterie liegen zu bleiben. Ob auch eine zehnjährige Kfz-Steuerbefreiung dazukommt, ist noch nicht besiegelt.

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Hintergrund In anderen Ländern werden E-Autos schon länger gefördert: China: Dank staatlicher Subventionen - Käufer müssen keine Mehrwertsteuer zahlen - ist China 2015 zum größten Markt für Elektrofahrzeuge aufgestiegen. Großbritannien: Wer sich für ein Elektroauto entscheidet, kann seit 2011 bis zu 5000 Pfund (6618 Euro ) vom Staat als Zuschuss bekommen. Elektroautos sind steuerfrei. Frankreich: Hier gibt es es einen Bonus von 10 000 Euro für Kunden , die ein mehr als 10 Jahre altes Dieselauto gegen ein Elektroauto tauschen. Norwegen: Bei der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs zahlt man in Norwegen keine Mehrwertsteuer. Die Kfz-Steuer und die Abgasabgaben entfallen. Das Parken auf kommunalen Parkplätzen und das Aufladen ist kostenlos. dpa