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Merkel in Polen
Im Schatten der Reparationen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Im kommenden Jahr jährt sich der Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen zum 80. Mal. Es ist also viel Zeit vergangen. Zeit zum Nachdenken und Gedenken, aber auch zur Versöhnung und dem Wunsch, gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Von Stefan Vetter

Gleichwohl bleibt das Verhältnis zwischen Berlin und Warschau kompliziert. Davon zeugten auch die Regierungskonsultationen. Überschattet wurden sie von der Forderung nach weiteren Reparationszahlungen für die erlittenen Kriegsschäden. Eine Forderung, die das bilaterale Verhältnis nur vergiften kann. Denn rechtlich und politisch ist es ein abgeschlossenes Kapitel.

Auf 690 Milliarden Euro beziffern PiS-Politiker gleichwohl jetzt die deutsche Restschuld. Mehr als zweimal so viel wie der laufende Bundeshaushalt. Eine utopische Summe. Und nur die Spitze des Eisbergs; in Griechenland werden ähnliche Forderungen laut. Würden diese Beispiele Schule machen, könnte die EU einpacken. Es würde wieder Zwietracht, ja Feindschaft regieren. Das kann niemand wollen. Schon gar nicht Polen, das gerade mit EU-Hilfe einen beispiellosen Aufschwung erfahren hat. Es ist gut, dass die Kanzlerin hier eine glasklare Haltung zeigt.