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Glosse
Paket-Optimisten 

Mancher ist nach dem Nikolaustag enttäuscht, weil sein Stiefel leer geblieben ist. Aber es gibt Trost. Denn nur weil etwas nicht angekommen ist, heißt es nicht, dass es nicht existiert. Von Pia Rolfs

Das lehrt die Paket-Existenzphilosophie, die von weisen Denkern der konkurrierenden Schulen DHL, Amazon und UPS stammt. Auch ihre Päckchen kommen oft nicht an, wurden aber angeblich immer irgendwo abgegeben – oder befinden sich noch im Nirwana aller Sendungen, kurz Paketzentrum.

Leicht lässt sich da vermuten, dass auch der Nikolaus von dieser philosophischen Strömung angesteckt wurde. Vielleicht hat er ja nur vergessen, im Stiefel einen Zettel zu hinterlassen: „Apfel, Nuss und Mandelkern beim Nachbarn abgegeben.“ Und wer die Stiefelgröße, multipliziert mit der Kalorienmenge, im Internet als Süßigkeitenverfolgungsnummer angibt, erhält vielleicht nähere Informationen über die vermisste Sendung.

Paket-Optimisten erkennen sogar im Weihnachtsmusikgedudel, dass der Nikolaus bereits einen nächsten Zustelltermin in Aussicht gestellt hat – wenn auch sehr vage, ohne Uhrzeitangabe und durch einen anderen Boten: „Einmal werden wir noch wach.“