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Forderung nach Lohnersatzzahlung in der Pflege
Das Kredit-Modell ist eine Zumutung

Dass Menschen sich verschulden müssen, um Angehörige zu pflegen, ist eine Frechheit. Auch wenn es sich um ein zinsloses Darlehen handelt: Kein Wunder, dass es kaum jemand in Anspruch nimmt. Von Fatima Abbas

Die Forderung nach einer Lohnersatzleistung ist absolut richtig. Schon allein aus Respekt vor denjenigen, die sich persönlich kümmern (wollen), sollte die Politik hier nachjustieren. Ganz abgesehen von dem Effekt, dass eine finanzielle Absicherung mehr Menschen ermutigen würde, den psychisch wie körperlich harten Pflegejob für ihre Verwandten und Vertrauten zu übernehmen.

Gerade in Zeiten, in denen Pflegefachkräfte fehlen und die Heime am Limit sind, könnte eine solche Zahlung das System entlasten. Rund 3,1 Millionen Menschen sind hierzulande pflegebedürftig, die Zahl dürfte angesichts des demografischen Wandels steigen. Diese Menschen und ihre Angehörigen sollten die Möglichkeit haben, sich frei von finanziellen Zwängen für die für sie richtige Form der Pflege zu entscheiden.

Natürlich wirft die Forderung Fragen auf, wie etwa, ob ein Lohnersatz nach dem Modell des Elterngelds tatsächlich gerecht wäre und für wie lange man die Zahlung gewähren sollte. Aber das sind lösbare Fragen – und man sollte sie angehen.