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Annäherung an Russland
Türkei im Dauerclinch mit dem Westen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Immer stärker macht sich bemerkbar, dass die Türkei in der Außen- und Sicherheitspolitik ganz andere Interessen verfolgt als ihre westlichen Verbündeten. Von Susanne Güsten

Die USA und Europa sind nicht ganz unschuldig daran. Sie haben in den vergangenen Jahren legitime Interessen der Türkei etwa in Syrien oder bei der Suche nach einem Raketenabwehrsystem ignoriert und wundern sich jetzt, dass Ankara einen anderen Partner gefunden hat: Russland.

Manche Türkei-Kritiker diskutieren bereits die Frage der Nato-Mitgliedschaft, obwohl die Allianz keinen Mechanismus kennt, um ein Mitglied hinauszuwerfen. Auch im Nahen Osten hat die Türkei viele Probleme. Ein wichtiger Grund dafür liegt in der türkischen Innenpolitik. Dem türkischen Präsidialsystem fehlen Kontrollinstanzen, die Erdogans Krawall-Kurs stoppen könnten. Selbstüberschätzung und mangelnde Voraussicht sind die Folgen. Für Europa und die USA lautet die Frage nicht mehr, ob das Risiko besteht, dass die Türkei für den Westen „verloren“ geht. Dieser Prozess ist längst im Gange.