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Kommentar
Gespieltes Mitgefühl

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Donald Trump hat den Mitfühlenden gegeben. Um zu begründen, warum er auf zusätzlichen Hindernissen an der Grenze zu Mexiko besteht, führte er eine humanitäre Krise ins Feld. Von Frank Herrmann

Eine Krise des Herzens und der Seele, wie er sie in gespielter Anteilnahme nannte. Allerdings nimmt es ihm bis auf seine treuesten Fans niemand ab, wenn er von seiner Sorge um Kinder spricht, die in den Augen skrupelloser Schmugglerbanden nur Schachfiguren seien. Oder von den Frauen, die auf dem langen Weg quer durch Mexiko sexuell missbraucht werden. Es ist ja derselbe Donald Trump, der die Weisung gab, Migrantenfamilien auseinanderzureißen, sobald sie am Rio Grande texanischen Boden betreten. In Wahrheit treibt ihn etwas anderes um, nämlich die Furcht vor einem Amerika, in dem die ethnischen Minderheiten von heute in absehbarer Zeit die Mehrheit bilden – eben auch durch andauernde Zuwanderung aus dem Süden. So hat er es zwar nie gesagt, doch seine Anhänger haben die Trump’schen Signale auch so verstanden. Die Mauer, dieses Bauwerk der Abschottung, ist das Sinnbild jener Abwehrhaltung.