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Kommentar zu Hartz-IV-Sanktionen
Kein Grund zu dramatisieren

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Befürworter und Gegner des Hartz-IV-Systems können sich gleichermaßen bestätigt fühlen: Fast eine Million Sanktionen verhängten die Jobcenter im vergangenen Jahr, weil ihre Kundschaft Termine versäumte, einen Job ausschlug oder zusätzliches Einkommen verschwieg. „Alles faule Säcke“, werden die einen sagen, „unmenschliches System“ die anderen. Beides ist verfehlt. Vielmehr könnten die Daten zu einer Versachlichung beitragen. Schaut man nämlich genauer hin, sind die Sanktionierten nur ein Bruchteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger. Die überwältigende Mehrheit hält sich an die Regeln. Von Stefan Vetter

Befürworter und Gegner des Hartz-IV-Systems können sich gleichermaßen bestätigt fühlen: Fast eine Million Sanktionen verhängten die Jobcenter im vergangenen Jahr, weil ihre Kundschaft Termine versäumte, einen Job ausschlug oder zusätzliches Einkommen verschwieg. „Alles faule Säcke“, werden die einen sagen, „unmenschliches System“ die anderen. Beides ist verfehlt. Vielmehr könnten die Daten zu einer Versachlichung beitragen. Schaut man nämlich genauer hin, sind die Sanktionierten nur ein Bruchteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger. Die überwältigende Mehrheit hält sich an die Regeln.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die grundsätzlich härteren Strafen für jüngere Langzeitarbeitslose auch schaden können. Vor allem, wenn wegen der Kürzungen Wohnungslosigkeit droht. Ein Teil der Betroffenen wendet sich dann vom Jobcenter ab und taucht in der Schattenwirtschaft unter. Hier muss die Sanktionspraxis korrigiert werden. Für eine Überdramatisierung der Lage besteht jedoch kein Anlass.