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| 22:18 Uhr

Kein Blick zurück

Türkische Polizisten begleiten einen Flüchtling, der gerade mit einer Fähre von Griechenland in die Türkei gebracht wurde. Foto: Bozoglu/dpa
Türkische Polizisten begleiten einen Flüchtling, der gerade mit einer Fähre von Griechenland in die Türkei gebracht wurde. Foto: Bozoglu/dpa FOTO: Bozoglu/dpa
Lesbos. Flüchtlinge und Migranten ist der Traum von Europa gestern zerplatzt. Ihre Rückführung ist auch ein symbolischer Akt, der zeigen soll: Kommt nicht in die EU – ihr werdet zurückgeschickt. Derweil durften die ersten Syrer aus der Türkei legal in die EU einreisen. Agentur

Als das türkische Passagierboot "Lesvos" die Leinen löst, ertönen Sprechchöre im Hafen von Lesbos . "Shame on you, EU!", "Schande über dich, Europa!", rufen ein paar Dutzend Aktivisten, die am Montagmorgen vor Ort die erste Rückführungsaktion von Flüchtlingen und Migranten in die Türkei verfolgen. Doch schnell verstummen auch sie, und bald ist außer den Schiffsmotoren nichts mehr zu hören.

202 Menschen, vornehmlich Migranten aus Pakistan und aus nordafrikanischen Ländern, wurden mit drei kleinen Passagierschiffen von den griechischen Inseln Lesbos und Chios in die gegenüberliegende türkische Küstenstadt Dikili gebracht. Die erste Rückführungsaktion im Rahmen des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei verlief reibungslos - dafür sorgte auf Lesbos und Chios ein großes Aufgebot griechischer Polizisten und Mitarbeiter der EU-Grenzschutzagentur Frontex. Die Körpersprache der Menschen, die am Hafen umringt von Sicherheitsleute die Boote besteigen, spricht Bände. Die Schultern gebeugt, das wenige Hab und Gut in kleinen Rucksäcken, werfen sie keinen einzigen Blick zurück. Lediglich zwei Syrer sollen unter ihnen sein - sie hätten sich wegen familiärer Umstände in der syrischen Heimat freiwillig zur Rückreise gemeldet, heißt es. Alle anderen hatten laut Katarina Kittidi, UNHCR-Mitarbeiterin auf Chios, als Staatsbürger "sicherer" Herkunftsländer ohnehin keinen Anspruch auf Asyl oder haben keinen Asylantrag gestellt.

Nach Angaben der griechischen Polizei gab es auch zuvor im "Hotspot" von Lesbos kein Problem, als die Flüchtlinge zu den Bussen geleitet wurden, die sie zum Hafen brachten. Überprüfen ließ sich das allerdings nicht - die Polizei patrouilliert mittlerweile vor dem Auffanglager und um den "Hotspot" herum. Fotografieren - selbst von außen - ist dort neuerdings ebenso verboten wie das Gespräch mit den Lagerbewohnern durch den meterhohen Maschendrahtzaun hindurch. Das Passagierschiff "Nazli Jale" ist das erste der drei Boote, das kurze Zeit später im 25 Kilometer östlich gelegenen Dikili ankommt. Türkische Beamte gehen an Bord und schütteln den Vertretern von Frontex die Hände. Dann verlassen die Migranten einer nach dem anderen das Schiff. Sie werden zur Registrierung in drei Zelte gebracht, die am Hafen aufgeschlagen wurden; anschließend steigen sie in Busse, mit denen es zu türkischen Auffanglagern gehen soll.

Auch in Dikili geht die Prozedur völlig ruhig vonstatten. Am Strand entwirren ein paar Fischer ihre Netze; sie berichten von einer Gruppe Flüchtlinge , die gerade erst am Morgen von der türkischen Küstenwache an der Überfahrt nach Lesbos gehindert worden sei.

Die ersten Syrer, die im Rahmen des umstrittenen EU-Türkei-Flüchtlingspakts nach Deutschland geholt werden, sind angekommen. Zwei Flugzeuge aus der Türkei mit insgesamt 32 Flüchtlingen landeten gestern in Hannover. Von dort wurden die Familien mit Bussen ins Grenzdurchgangslager Friedland gebracht. Der erste Bus mit 16 Syrern erreichte am Mittag das Lager. Die Flüchtlinge seien sehr erschöpft und hätten im Bus die meiste Zeit geschlafen, sagte ein Dolmetscher. Nur wenige Stunden später landete das zweite Flugzeug. Die in Istanbul gestartete Maschine hatte weitere drei Familien an Bord.