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CDU in Baden-Württemberg nominiert Susanne Eismann
Frau soll den Südwesten wieder schwarz machen

  Susanne Eisenmann (CDU) will Winfried Kretschmann (Grüne) aus der Staatskanzlei verdrängen.
Susanne Eisenmann (CDU) will Winfried Kretschmann (Grüne) aus der Staatskanzlei verdrängen. FOTO: dpa / Thomas Kienzle
Heilbronn. Die Südwest-CDU im Nominierungsrausch. Lang sind die Ovationen für ihre neue Spitzenkandidatin und Hoffnungsträgerin Susanne Eisenmann. Partei­freunde strahlen sie an, es herrscht ausgelassene Selbstzufriedenheit im Heilbronner Kongresszentrum „Harmonie“. dpa

Will die Partei sich selbst Mut zusprechen, eineinhalb Jahre vor dem nächsten und derzeit etwas aussichtslos scheinenden Rennen gegen den amtierenden grünen Koalitionspartner? Die 54-jährige Herausforderin von Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird mehr als nur diesen einen Schub für das Rennen ums Regierungsamt 2021 brauchen – sollte sich der entscheiden, nochmal anzutreten. Kretschmann ist der beliebteste Ministerpräsident Deutschlands, die Grünen sind bundesweit im Höhenflug, ihr zentrales Thema Klimaschutz zündet – man könnte sich keinen stärkeren Gegner ausmalen.

Mit einer überwältigenden Mehrheit von 95,4 Prozent der abgegebenen Delegiertenstimmen hebt die CDU im Südwesten nun ihre neue Hoffnungsträgerin auf den Schild. Von Einigkeit ist die Rede, von gemeinsamer Stärke, von einem Signal. „Ich verspreche Euch, ich werde alles geben“, sagt eine sichtlich gerührte Eisenmann nach der Wahl. Ansonsten bleibt alles ein wenig im Vagen, es ist eine Agenda des Aufbruchs, der „Auftakt zu einem neuen Kapitel der CDU hier in Baden-Württemberg“, wie Eisenmann es formuliert.

Aber der Weg für Eisenmann in die Stuttgarter Villa Reitzenstein, Amtssitz des Ministerpräsidenten, wird lang sein. Nach knapp sechs Jahrzehnten an der Regierung hatte die Partei schmerzhaft die Macht zunächst an Grün-Rot verloren, seit 2016 sitzt sie als Juniorpartner der Grünen zumindest am Kabinettstisch, bei den Kommunal- und Europawahlen im Mai erlitt sie deutliche Verluste.



Angesichts dieser Lage hatte es die CDU Eisenmann eher zugetraut, chancenreich gegen Kretschmann anzutreten als ihrem langjährigen guten Freund und CDU-Landeschef Thomas Strobl. Gegen diesen hatte sie zwar nach eigener Beteuerung nie antreten wollen. Aber als die Rufe nach Eisenmann Ende des vergangenen Jahres immer lauter wurden, warf sie ihren Hut in den Ring. Sehr zum Ärger Strobls, der sie aber letztlich für die Nominierung vorschlug. Kretschmanns neue Herausforderin gilt als durchsetzungsstark, auch als schroff, zumindest aber als ruppig, auf jeden Fall nicht als diplomatisch. „Bei mir weiß man, was man bekommt. Und man weiß, was man hat“, sagt sie selbst. Mit ihrer Nominierung wird Eisenmann zum neuen Machtzentrum der immer noch stark konservativ ausgerichteten Südwest-CDU. Sie, die Pragmatikerin aus der Stadt, ist für Kretschmann nun nicht mehr nur „meine Kultusministerin“, sondern auch die Ansprechpartnerin für die CDU-Ministerien, die sie koordiniert, und für die Abstimmung mit der eigenen Fraktion.

Eisenmann wird in den kommenden Monaten zeigen müssen, wofür sie abseits von Zentralabitur, Lehrerfortbildung und Schulaufsicht steht. In den vergangenen Jahren als Ministerin und auch zuvor als für die Schulen verantwortliche Stuttgarter Bürgermeisterin hat sie ihre Punkte vor allem in der Bildungspolitik gesammelt. Die frühe Nominierung mag aus Sicht der CDU klug sein, um die Partei aufs Gleis zu bekommen. Sie ist aber auch riskant, weil der politische Gegner mehr Zeit hat, um Fehler, Fettnäpfchen und Stolperfallen Eisenmanns auszunutzen. Der Generalsekretär der baden-württembergischen SPD, Sascha Binder, warf Eisenmann schon mal vor, als Kultusministerin nichts auf den Weg gebracht und sich dem „stockkonservativen Parteiflügel“ der CDU angedient zu haben.