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Saudi-Arabien
Jemen-Krieg wird für Riad zu einem Desaster

 Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman.  Foto: SPA/dpa
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Foto: SPA/dpa FOTO: dpa / -
Aden/Riad. Als Mohammed bin Salman und Mohammed bin Said sich in Riad zu Gesprächen über den Jemen zusammensetzten, war danach von einer „fruchtbaren und positiven“ Atmosphäre die Rede. Das war im Dezember 2017. Knapp zwei Jahre später sind die Risse im Verhältnis der beiden Kronprinzen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in dem Bürgerkriegsland so deutlich wie nie. Von Johannes Schmitt-Tegge

Das von Riad angeführte Militärbündnis beginnt im Jemen, in seine Einzelteile zu zerfallen. Und für den saudischen Kronprinzen, kurz „MbS“ genannt, entwickelt sich der jahrelange Krieg im Nachbarland zum Desaster.

Viereinhalb Jahre ist der Einstieg Saudi-Arabiens in den Bürgerkrieg im Jemen her, für den Bin Salman, der starke Mann des Königreichs, ein Bündnis mit den VAE und weiteren Ländern schmiedete. Das Ziel: die schiitischen Huthi-Rebellen im Land in die Knie zwingen, den vermeintlichen Einfluss des Erzfeindes Iran zurückdrängen und sich als mächtiger Spieler in der Region unter Beweis stellen. Nach mehr als 90 000 Toten, darunter mehr als 11 500 Zivilisten, ist stattdessen ein Krieg entstanden, der sich nicht mehr gewinnen lässt.

In Aden im Südjemen treten die Risse im Bündnis nun offen zutage. Die Separatisten des sogenannten Südlichen Übergangsrats (STC), die mit den Saudis eigentlich gegen die Huthis kämpfen, fühlen sich zunehmend von der international anerkannten Regierung des Landes verraten. Die Separatisten werden von den Emiraten unterstützt, die Saudis stützen dagegen die Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi. Die Rufe der Separatisten, sich erneut abzuspalten – der Nord- und Südjemen hatten sich erst 1990 zu einem Staat zusammengeschlossen – werden lauter.



Wie sehr dieser sich andeutende Bruch Riad verzweifeln ließ, zeigte sich bei den Kämpfen um den Präsidialpalast in Aden, dem derzeitigen Sitz der Regierung Hadi: Nachdem die Separatisten den Palast erobert hatten und die Garde nach Angaben einheimischer Quellen teils sogar übergelaufen war, flogen Jets der saudischen Koalition dort Luftangriffe. Es waren Bombardements auf den eigenen Bündnispartner.

Der Jemen steht vor einem „Bürgerkrieg im Bürgerkrieg“, wie Analysten warnen. Das Land ist gewissermaßen dreigeteilt in die Huthi-Rebellen, die vor allem den Westen und die Hafenstadt Hudaida am Roten Meer beherrschen, die Separatisten im Süden und das, was von der Regierung Hadi noch übrig ist. Das Machtvakuum macht sich auch die Terrorgruppe Al-Qaida zunutze, deren Ableger AQAP zu den weltweit stärksten zählt.

Der Rückhalt für Bin Salmans militärisches Abenteuer bröckelt indes weiter. Mit den Emiraten zieht sich der wichtigste regionale Partner Saudi-Arabiens aus dem Jemen zurück. Ihre geschätzt 5000 Soldaten wollen die VAE Berichten zufolge nach und nach reduzieren. Grund sind unterschiedliche Jemen-Strategien. Die VAE verfolgen in dem Bürgerkriegsland schon seit längerem ihre eigene Agenda. Ihnen geht es vor allem darum, den strategisch wichtigen Hafen Aden und den dortigen Wasserweg zu kontrollieren. Ein eigenständiger Süden, eng an die VAE gebunden, käme da gelegen.

Bleiben die USA, deren Willen zur Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien nach der Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi ebenfalls rapide abnimmt. Einen milliardenschweren Rüstungsdeal mit Riad und Abu Dhabi wollte der Senat in Washington zuletzt bereits stoppen. Die Waffenlieferungen können nur stattfinden, weil US-Präsident Donald Trump sein Veto gegen die geplante Blockade einlegte. Das Pentagon befeuert den Jemen-Krieg damit vorerst weiter.