| 23:54 Uhr

Leserbrief
Integrationsprozess ist fließend

Zu Beitrag von syrischem Arzt

Sehr geehrter Herr Abboud, erinnern Sie sich noch? Was hätten Sie gesagt, wenn ich Sie gefragt hätte, ob Sie das dankbar finden, wenn Sie verlangen, dass Frauen mit Kindern nicht im Deutschunterricht sitzen können, weil Sie sich durch die Kinder gestört fühlen? Integration ist nicht, die eigenen Landsleute pauschal und öffentlich undankbar zu nennen. So bedienen Sie Klischees. Die Rolle, die Sie den USA zuschreiben, lenkt vom Kern des Syrien-Konflikts ab. Auch hier bleiben Sie an der Oberfläche. „Die Deutschen sind gut organisiert“; kein Grund, hierher zu kommen. Mir wäre lieber, es kämen die, denen unsere freiheitliche Grundordnung wichtig ist und die diese dann auch wertschätzen. Ich kenne viele Syrer, die genau dies tun und die sehr dankbar sind, dies hier tun zu können. „Der Integrationsprozess von Anfang an zum Scheitern verurteil!“ Woher leiten Sie die Kompetenz für diese Feststellung ab? Integration ist nicht Anbiedern und die eigenen Leute beschimpfen. Das ist Anwidern. Der Integrationsprozess ist nicht gescheitert. Das ist ein fließender Prozess, ein stetiges Annähern an den Idealfall: „In der Bundesrepublik gelten die Regeln des Grundgesetzes.“ Fangen Sie an: Artikel 3 Absatz 2: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Wenn Sie das Grundgesetz gelesen haben, wissen Sie: bei uns geht es um WIR nicht um ICH. Bei uns darf man nicht nur denken, was man will, man darf es auch sagen. Und das gilt sogar dann, wenn es substanzlos ist. Das Institut Allensbach hat die Deutschen gefragt: Glauben Sie, dass es mehr dankbare oder mehr undankbare Menschen gibt? 56 Prozent glaubten, es gibt mehr undankbare – 21 Prozent glaubten, es gebe mehr dankbare. In Syrien derzeit bestimmt anders. Und nun vergiften Sie auch hier das Klima der Annäherung. Als geeigneten Gastbeitrag empfehle ich Ihnen das Thema: „Die Rolle des Milchzahns für den Aufbau des Gebisses!“

Karl-Heinz Niwek, Homburg