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In Syrien kann sich Moskau als Ordnungsmacht zeigen

Moskau. Sind in Syrien bereits reguläre russische Truppen im Einsatz? Oder handelt es sich bei den russischen Kräften in dem Bürgerkriegsland bislang nur um Berater und Instrukteure, die seit langem das Regime Assads vor Ort unterstützen? Klaus Donath

Seit letzter Woche häufen sich Berichte internationaler Medien, die in der Region ein verstärktes Engagement Russlands beobachtet haben wollen, ohne dafür jedoch letzte Beweise vorzulegen. Am Wochenende warnten die USA Russland vor einer militärischen Intervention auf Seiten des Diktators Baschar al-Assad. Seither reißen die Spekulationen über Moskaus Vorhaben in der Region nicht mehr ab. Beobachter in Russland fühlen sich gar in das vergangene Jahr zurückversetzt, als Moskau nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim die offenkundige Beteiligung regulärer Truppen über Monate hartnäckig leugnete. Nicht zuletzt war dieses Vorgehen der Auftakt einer neuen ausgeklügelten Art hybrider Kriegsführung.

Laut der syrischen Zeitung "Al-Watan" baut Russland in Dschabla, 25 Kilometer südlich von Latakia, bereits einen neuen Stützpunkt. Bislang verfügte es mit dem syrischen Hafen Tartus nur über eine technische Versorgungsbasis, die einzige im gesamten Mittelmeerraum. Die geographische Lage Dschablas soll militärischen Einrichtungen größeren Schutz bieten, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta". Die alawitische Bevölkerungsmehrheit in der Provinz um Dschabla hält nach wie vor zu Assad.

Klar ist, der Kreml wird Assad nicht fallen lassen. Mit den Andeutungen Wladimir Putins letzte Woche, eine Beteiligung im Kampf gegen den IS sei nicht grundsätzlich ausgeschlossen, nährte der Kreml allerdings Spekulationen. War es ein Versuchsballon, der die Stimmung im Westen ausloten sollte? Will Putin sich als Koalitionär in der Allianz gegen den IS einbringen und damit auch das Regime in Damaskus retten? Der gemäßigten syrischen Opposition und den USA dürfte dies nicht zusagen. Dass sie Seite an Seite mit Assad gegen den IS vorgehen, ist schwer vorstellbar. Putin könnte aber auch an einer Koalition basteln, der Russland, China und der Iran angehören, alles Unterstützer Assads. Das mutmaßen zumindest russische Medien. Erst vor Kurzem hielten Moskau und Peking im Mittelmeer in Küstennähe Syriens Manöver ab. Während der iranische Außenminister davon sprach, dass die Bekämpfung des Terrorismus in den Beziehungen zu Russland Vorrang genösse.

Nächste Woche tritt Putin vor den Vereinten Nationen auf. Voraussichtlich wird Russland dann auch ein Syrien-Konzept vorstellen. Wird Moskau eine neue Koalition schmieden und sich der Vernichtung des IS annehmen?, fragt die "Nowaja Gaseta". Für die Bodenoffensive böten sich Teherans Truppen an.

Im Gegenzug würde Moskau Zugeständnisse im Ukraine-Konflikt und die Aufhebung der Sanktionen erwarten sowie die Rückkehr in den "Klub der westlichen Mächte" nach der Krim-Annexion. Sollte das gelingen, hätte der russische Präsident es dem zögerlichen Westen mal wieder vorgemacht: Auch im Nahen Osten wird Moskau mit dem Terror fertig. Das Comeback als weltpolitischer Ordnungsfaktor würde Putin zuhause erneut einen Höhenflug bescheren. Demnächst dürfte sich auch herausstellen, ob die vorübergehende Ruhe im Donbass mit einem neuen Engagement in Syrien verbunden ist.