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Im Namen der Abgelenkten

Meinung: Im Namen der Abgelenkten

Meinung:

Im Namen der Abgelenkten

Von Pia Rolfs

Ständig diese lästige Konzentration - in der Schule, am Steuer und nun auch im Gericht! Denn ein Richter darf während eines Prozesses sein Handy nicht für Privates nutzen, entschied jetzt der Bundesgerichtshof . Er müsse seine gesamte Aufmerksamkeit der Verhandlung widmen. Dabei hatte die beisitzende Richterin nur schnell ihre Kinderbetreuung organisiert, während es im Saal um eine Messerstecherei ging - für Frauen ein normales Multitasking. Umgekehrt wäre es für die Täter schon schwieriger geworden, lässt sich doch eine Messerstecherei während der Kinderbetreuung nur schlecht planen. Da schreit immer jemand dazwischen. Zudem hat heute keiner mehr die "gesamte Aufmerksamkeit". Immer lenkt ein Display die Blicke auf sich. Vielleicht sollten Urteile daher nicht mehr im "Namen des Volkes" ergehen, sondern im "Namen der Abgelenkten". Und wenn die Täter bei der Verurteilung ein Handy zur Hand hätten, würde ihnen die neue Floskel nicht mal auffallen.