| 22:10 Uhr

Glosse
Zukunft for future

Die Zukunft ist total im Kommen. Kein Wunder also, dass eine Jury der Freien Universität Berlin den Ausdruck „for Future“ zum Anglizismus des Jahres kürte. Von Pia Rolfs

Denn „No Future“ war definitiv gestern. Den Freitag zum Zukunftstag zu erklären, ist dabei natürlich ein schlüssiges Konzept der Klimaaktivisten. Schließlich wird an keinem Tag so oft in die Zukunft geblickt (Wochenende) und so ungern nach hinten (Arbeitswoche). Das könnte stilbildend für andere Wochentage sein. So könnte „Mondays for Muffel“ etwa viel Montagsfrust abbilden, „Tuesdays for Tretmühle“ das langsame Akklimatisieren am Dienstag. Aber all das hat leider keine Zukunft, weil nicht „for Future“. Stattdessen gibt es nun „Omas for Future“ und „Scientists for Future“, die ebenfalls Interesse an der Zukunft haben. Völlig zu Recht. Hätte sich doch sonst die Altersvorsorge oder die lange Unikarriere mit befristeten Arbeitsverträgen gar nicht gelohnt. Auch die Politik hat die Zukunft entdeckt und ist damit quasi die Dachbewegung „Zukunft for Future“. Denn sie richtet alles immer an zwei Terminen aus, die definitiv in der Zukunft liegen – der nächsten Wahl und dem Sankt-Nimmerleinstag.