| 22:40 Uhr

Glosse
Keine Zeit für die Zeit

Die Europäische Union ist träge in Entscheidungen? Von wegen. Denn nur schlappe 38 Jahre nach Einführung der Sommerzeit in Deutschland will sie diese auf vielfachen Wunsch ihrer Bürger irgendwann wieder abschaffen, verlautete Ende der Woche.  Von Pia Rolfs

Das ist natürlich ein Paukenschlag. Hatten doch viele durch den Mini-Jetlag im Frühjahr und Herbst ganzjährig gute Ausreden für Dauermüdigkeit und Unpünktlichkeit. Das Zeigerdrehen an der Uhr war eingeübt – eine Fähigkeit, die zumindest Reisemuffel nun bald nicht mehr brauchen. Außerdem haben viele gerade keine Zeit, sich von der Zeitumstellung wieder auf „keine Zeitumstellung“ umzustellen. Denn ihnen fehlt ja eine Stunde.

Vielleicht wäre angesichts dieser Probleme ein Kompromiss möglich: Etwa die Uhr immer weiter vor- und nie zurückstellen – gemäß der alten DDR-Parole: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ Denn das hätte drei Vorteile: Jeder würde sich jünger fühlen, als er offiziell ist. Alle wären ihrer Zeit voraus. Und wenn jemand die Nacht zum Tage machen will, müsste er gar nicht länger aufbleiben. Sondern nur schlappe zwölf Jahre warten.