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Glosse
Fundstücke

Viele Menschen fühlen sich manchmal wie bestellt und nicht abgeholt. Aber sie können sich trösten. Es geht nicht nur ihnen so. So wird in Fundbüros nur jede dritte Fundsache abgeholt, wie es nun heißt. Von Pia Rolfs

Das bedeutet dann wohl: Manche haben den Verlust ihres Eigentums überhaupt noch nicht bemerkt. Bei anderen ist das „Verlieren“ nur ein getarntes Wegwerfen. Und die dritte Gruppe – mit Abstand am meisten zu bedauern – sucht sich immer noch die Seele aus dem Leib. Kommt aber nicht darauf, mal im Fundbüro nachzufragen. Vielleicht weil auch dessen Adresse noch vergeblich gesucht wird.

Und tatsächlich kann ein Fundbüro ja auch nicht allen Suchenden helfen. Gehen doch viele liebgewonnene Gegenstände nicht in der Öffentlichkeit, sondern im eigenen Haushalt verloren. „Suchet, so werdet ihr finden“ gilt dabei niemals für die zweite passende Socke. Es kann auch nicht wahr sein, dass sich Vermisstes immer dort befinden, wo man es hingelegt hat. Manche verlieren die Hoffnung, andere den Verstand und viele im Laufe ihres Lebens Haare. Andererseits werden viele Haare schließlich dort gefunden, wo sie zuvor niemand vermutet hat: in der Suppe.