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Glosse
Die dritte Klingel-Ära

Telefonieren war früher einfacher. Nicht nur weil es Geräte nur zu diesem einen Zweck gab. Sondern auch, weil das Klingeln noch ein Klingeln war. Es schrillte bisweilen etwas unangenehm, war aber klar erkennbar. Von Pia Rolfs

Das war die erste Klingel-Ära. Dann folgte mit dem Smartphone die zweite Klingel-Ära der pseudo-originellen Klingeltöne, die sich manche sogar für Geld herunterluden. Und heute hat irgendjemand die dritte Klingel-Ära eingeläutet. Ganz ohne Läuten! Heute nämlich verschwimmen alle Klingeltöne zu einem undefinierbaren Klangteppich. Irgendwo erklingt das Zeichen für eine neue Whatsapp oder ploppt noch eine alte SMS. Und wenn ganz altmodisch noch jemand anruft, ist eine Mischung aus Spährenklängen, Entspannungsmusik und Ohrgeräuschen zu hören. Aber keiner weiß mehr, wo es läutet und ob überhaupt. Natürlich könnte das auch Strategie sein. So merkt mancher gar nicht mehr, dass ihn niemand mehr anruft und fühlt sich vom universellen Klingeln mitangesprochen. Allerdings fällt ihm auch nicht mehr auf, wenn andere mit Engelszungen auf ihn einreden. Denn „Engelszungen“ ist in der dritten Klingel-Ära vielleicht nur ein neuer Klingelton.