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| 23:25 Uhr

Gemeinsam gegen die Bombe

Atomgipfel. Frank Herrmann

Barack Obama ist gewiss keiner dieser Weltuntergangspropheten, die in düsteren Worten Bedrohungsszenarien entwerfen. Allein vom Typus her ist er das Gegenteil: rational, gründlich abwägend, behutsam in der Wahl seiner Worte. Wenn also der US-Präsident in der Möglichkeit, dass Terroristen an Nuklearmaterial kommen, eine der größten Gefahren der Gegenwart sieht, dann wird er wissen, wovon er spricht.

Zugegeben, nukleare Sicherheit ist eine abstrakte Materie. Sie beruht auf Was-wäre-wenn-Szenarien und vielen Unbekannten. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, als der Westen sich Sorgen machte um schlecht gesicherte Arsenale in Zentralasien oder am Kaukasus, ließ es amerikanische Politiker aktiv werden. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 kochte die Debatte noch einmal hoch: Nicht auszumalen, käme Al-Qaida in den Besitz von Atomwaffen . Die falschen US-Dossiers im Vorfeld des Irakkrieges haben die Öffentlichkeit skeptisch werden lassen. Nun aber weisen westliche Sicherheitsbehörden immer wieder auch auf die Gefahr hin, dass Terrorzellen in den Besitz radioaktiven Materials gelangen könnten. Das Ausmaß der Schäden, die ein Anschlag mit einer "schmutzigen Bombe" anrichten könnte, seinen psychologischen Effekt mag sich niemand ausmalen.

Deshalb sendet der Atomgipfel in Washington ein zumindest im Ansatz nervenglättendes Signal aus, auch wenn mit Russland einer der Schlüsselakteure der Nukleardiplomatie durch Abwesenheit glänzte. Die Vereinigten Staaten und China, die beiden großen Gegenspieler des 21. Jahrhunderts, haben beschlossen, beim Thema Nuklearsicherheit enger zu kooperieren. So sehr sie einander sonst als Rivalen sehen, das atomare Vabanquespiel des Nordkoreaners Kim Jong Un zwingt sie ins selbe Boot. Auch Peking lässt angesichts der Provokationen, mit denen das abgeschottete Regime in Pjöngjang seine Nachbarn in Atem hält, Irritationen erkennen. Es ist der Ausnahmefall, in dem sich die Interessen von Chinesen und Amerikanern decken, und Grundlage eines Zweckbündnisses. Es ist ein Modellbeispiel für die pragmatischen, je nach Sachlage zu schmiedenden Koalitionen, die Obama zum Markenzeichen seiner Außenpolitik gemacht hat.

Nur muss auch er sich Kritik gefallen lassen, denn von seiner schönen Vision eines Planeten ohne Atomwaffen , 2009 in der Euphorie des Neuanfangs verkündet, ist auch in der US-Militärpolitik nicht viel übrig geblieben. Inzwischen bastelt das Pentagon an dem Plan, das gesamte nukleare Arsenal zu modernisieren. Das Projekt dürfte binnen drei Jahrzehnten eine Billion Dollar kosten. Und es droht genau das auszulösen, wovor Obama immer warnt: ein neues atomares Wettrüsten.