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Kolumne Unsere Woche
Gas geben statt rumeiern

Mirko Reuther
Mirko Reuther FOTO: SZ / Lorenz, Robby
Als ich das erste Mal in meinem Leben selbst auf eine Autobahn aufgefahren bin, gab es von meiner Fahrlehrerin erstmal einen ordentlichen Anpfiff: „Das ist ein Beschleunigungsstreifen.

Da kannste nicht ewig rumeiern, da musste Gas geben!“ Diese weise Maxime von Frau Schmidt wünscht man sich 17 Jahre später für den laufenden Oberbürgermeisterwahlkampf in Zweibrücken. Denn der ist – mit Verlaub – so spannend wie ein 10 000-Teile-Puzzle einer braunen Cordhose. Christian Gauf (CDU) scheint das Rennen locker nach Hause zu laufen. Dafür muss er nicht mehr tun, als ein wenig Symbolpolitik betreiben und den knuffigen Gute-Laune-Onkel ohne große Ecken und Kanten geben, auf den sich alle irgendwie einigen können.

Marold Wosnitza (SPD) hätte mancher wohl noch gar nicht zur Kenntnis genommen, hätte er nicht – immerhin – in dieser Woche angekündigt, für den Bahnhaltepunkt Rosengarten kämpfen zu wollen. Die Außenseiter Klaus Peter Schmidt (AfD), Thomas Kewel und Andreas Wente (beide parteilos), die besonders laut die Werbetrommel rühren müssten, um die Platzhirsche in Gefahr zu bringen, blieben bislang überraschend farblos. Bleibt zu hoffen, dass die OB-Kandidaten bei der Merkur-Podiumsdiskussion am Dienstag um 19 Uhr in der Karlskirche endlich Profil zeigen. Ach ja, der einzige Kandidat, der sich selbstbewusst und angriffslustig zeigt, ist Atilla Eren (parteilos). Dessen Aussagen bewegen sich zwar mitunter tatsächlich an der Grenze zur populistischen Plattitüden-Parade. Aber Wähler überzeugen tut man selten mit Wahlkuscheln – sondern mit Wahlkampf. Da kann man nicht ewig rumeiern, man muss auch mal Gas geben.