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Berliner Notizen
Endlich ein echter Kanzler

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Kevin Kühnert ist der Anti-Groko-Revolutionär der SPD. Nun sind in der Geschichte der Partei die Juso-Chefs immer aufmüpfig gewesen. Das hat die Karriere befördert. Gerhard Schröder wurde Kanzler, Andrea Nahles Ministerin und Fraktionschefin. Anders als früher muss man seinen Eifer heute aber auch in den sozialen Netzwerken ausbreiten, und nicht nur an den Gittern des Kanzleramtes rütteln. Twitter war jedenfalls nun zu entnehmen: „Christian Lindner und Jens Spahn folgen jetzt Kevin Kühnert.“ Glückwunsch. Viel Feind, viel Ehr. Von Hagen Strauss

Malu Dreyer hingegen ist der neue Superstar der SPD. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin ist bei den Genossen beliebt wie keine andere. Das Geheimnis ihres Erfolgs scheint ihre Gelassenheit zu sein. Jedenfalls verriet Dreyer kürzlich einem Reporter: „Ich habe grundsätzlich so ein Urvertrauen, dass schon etwas anderes kommt, wenn etwas nicht klappt.“ Schon als junges Mädchen habe sie sich „innerlich frei“ gefühlt. Dann kann man natürlich viel leichter sagen, nie SPD-Vorsitzende werden zu wollen.



Gregor Gysi ist 70 Jahre alt geworden. Dafür legte der Linke aber neulich auf dem Berliner Presseball noch eine kesse Sohle aufs Parkett, vor allem zu den Hits von „Boney M“. Jetzt wurde Gysi anlässlich seines Geburtstags gefragt, was denn seine größte Liebe sei. Seine Antwort: „Das sind selbstverständlich meine Kinder.“ Gysi schob noch nach: „Ich bin doch nicht wahnsinnig und unterscheide jetzt bei den Frauen.“

Wolfgang Schäuble ist momentan nicht ganz so präsent. Was damit zu tun hat, dass der Bundestag wegen der schleppenden Regierungsbildung ein wenig vor sich hin dümpelt. Schön also, dass der Bundestagspräsident am Mittwoch Sebastian Kurz empfangen konnte. Schäuble zeigte eine gewisse Erleichterung über den Besuch, denn er flüsterte dem Österreicher zu: „Ich bin froh, endlich mal einen richtigen Bundeskanzler zu treffen und nicht nur einen geschäftsführenden.“ Gruß an Angie.