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Eine neue Studie prangert „Flickenteppich“ an

Lernen an Ganztagsschulen hängt extrem vom jeweiligen Bundesland ab. Foto: Jens Kalaene/dpa
Lernen an Ganztagsschulen hängt extrem vom jeweiligen Bundesland ab. Foto: Jens Kalaene/dpa FOTO: Jens Kalaene/dpa
Gütersloh/Berlin/Mainz. Ganztagsschulen sollen die Lernchancen für alle Kinder verbessern und auch ihren berufstätigen Eltern helfen. Doch von Land zu Land klaffen die Vorgaben bei Öffnungszeiten und Finanzierung von Zusatzpersonal weit auseinander. Agentur

Die rheinland-pfälzischen Ganztagsschulen stellen in der Oberstufe Personal für mehr Stunden bereit als viele andere Bundesländer. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die gestern in Gütersloh veröffentlicht wurde. Demnach werden Schüler an Gymnasien in Rheinland-Pfalz für fast zehn weitere Stunden in der Woche von Pädagogen betreut - nach Berlin das zweitbeste Ergebnis in Deutschland. Bei den übrigen Schulen bis zur zehnten Klasse belegt Rheinland-Pfalz mit neun Stunden immerhin den dritten Platz.

An deutschen Ganztagsschulen gibt es von Bundesland zu Bundesland riesige Unterschiede bei den Lernzeiten und der Ausstattung mit Lehrern oder Erziehern. So liegt die Bandbreite dessen, was die Länder jährlich für zusätzliches Ganztags-Personal ausgeben, zwischen schmalen 1300 Euro pro Schulklasse einer gymnasialen Ganztagsschule (Sekundarstufe I) in Sachsen - und üppig bemessenen knapp 37 000 Euro in Rheinland-Pfalz.

Die Analyse will erstmals die Lernbedingungen für die 1,27 Millionen Schüler in bindenden Ganztagsschulen vergleichbar machen - und die klaffen je nach Bundesland oder Schulform weit auseinander.



Von einem "Flickenteppich Ganztag" sprechen daher die Autoren der Studie. "Wir haben bundesweit einen Dschungel an unterschiedlichen Bestimmungen zur Verteilung von Ressourcen im Ganztag. Die riesigen Unterschiede legen offen, wie sehr es an gemeinsamen Standards für den Ganztag mangelt", fasst Dirk Zorn, Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung, die Erkenntnisse des Reports zusammen. Für gleichwertige Lernchancen müssten die zuständigen Kultusminister der Länder dringend Mindeststandards vereinbaren.

So ist die zusätzliche Zeit, die Ganztagsschülern im Vergleich zu anderen zur Verfügung steht, abhängig von weit auseinander gehenden Vorgaben in den Ländern. Grundschüler in hessischen Ganztagsschulen verbringen 22 zusätzliche Stunden pro Woche an der Schule. In Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sind nur acht vorgesehen.

An weiterführenden Schulen sinkt im Durchschnitt die Zusatz-Lernzeit, die riesige Spannbreite je nach Land bleibt: Kommen Ganztagsschüler aus Hessen oder Hamburg auf überdurchschnittliche Werte zwischen 13 und 16,4 Extra-Stunden, so sind für Schüler aus Nordrhein-Westfalen und den ostdeutschen Flächenländern mit Ausnahme Brandenburgs in den höheren Klassen nur rund vier Mehrstunden vorgesehen.

Der Bertelsmann-Report moniert auch, dass Lernzeiten und Personalausstattung in vielen Ländern nicht aufeinander abgestimmt seien. So stellten die Länder Hessen und Bremen gerade mal so viel Zusatz-Personal bereit, dass 22 Prozent der Nachmittags-Extrazeit mit Fachkräften bestückt sind.

Nimmt man die Grundschulen aus, stehen auch Sachsen und Thüringen mit ähnlichen Werten schlecht da. Die Lücke muss den Autoren zufolge mit kommunalen oder privaten Mitteln gefüllt werden - Lehrer besetzten diese Stellen nicht.

Für die Analyse haben sich die Bildungsforscher ausschließlich auf die Form sogenannter gebundener Ganztagsschule konzentriert - also Schulen, an denen die Teilnahme am längeren gemeinsamen Lernen für alle Pflicht ist und nicht offenes Angebot.

Die Studie belege, dass die Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz hervorragend aufgestellt seien, teilte die Mainzer Bildungsministerin Vera Reiß (SPD ) mit. Das Land trage 100 Prozent der zusätzlichen Personalkosten. Bei den weiterführenden Schulen gebe es bei der Dauer an zusätzlicher Lernzeit eine Spannweite zwischen vier und 16 Stunden pro Woche. Hier ist Rheinland-Pfalz den Ergebnissen zufolge mit etwa neun Wochenstunden an Gymnasien und elf an anderen weiterführenden Schulen ebenfalls leicht überdurchschnittlich.