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Kommentar
Eine Krise ist auch eine Chance

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Emmanuel Macron will nach den Schwierigkeiten des Sommers ein neues Kapitel aufschlagen. Neues Team plus neuer Schwung gleich neue Popularität, lautet die Gleichung.

Doch damit erreicht der Präsident noch keinen Stimmungsumschwung. Sogar bei den eigenen Parteimitgliedern haben sich Zweifel eingenistet. Die kann Macron nur zerstreuen, wenn er sich einer Übung unterzieht, die er scheut: Er muss den Franzosen seine Politik erklären. Und zwar nicht als Oberlehrer, sondern auf Augenhöhe. Sie haben das verdient, denn sie tragen seine Reformpolitik seit 16 Monaten ohne großes Murren mit. Dass er jetzt mit Gérard Collomb den einzigen Minister mit Bodenhaftung verloren hat, ist ein Warnsignal. Der Rücktritt bietet aber auch eine Chance: Der Präsident, der noch fast vier Jahre vor sich hat, kann seinen Kurs korrigieren – und seine soziale Seite zeigen. Schließlich wurde er als sozialliberaler Kandidat für sein Versprechen gewählt, zu liberalisieren und zu schützen. Bisher hat er nur Ersteres eingelöst.