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Ein Hoffnungsträger mit deutschen Wurzeln

Bukarest. Die Rumänen haben einen Mann mit deutschen Wurzeln gewählt, weil sie ihn als stillen, aber ehrgeizigen Politiker schätzen. Der neue Präsident Klaus Iohannis will mit der Korruption aufräumen, die Staatsfinanzen ordnen und die Wirtschaft ankurbeln. afp-Mitarbeiter Marc Kalpidis

Ein wortgewaltiger Charismatiker ist er nie gewesen. Klaus Iohannis wirkt konfliktscheu, sein Redestil ist quälend langsam, und auch der Flirt mit Fernsehkameras liegt ihm nicht: Im Gegensatz zu seinem telegenen Rivalen Victor Ponta schien der 55-jährige Präsidentschaftskandidat fast peinlich berührt vom Medienrummel, als er am Sonntag seinen Stimmzettel in die Wahlurne warf. Die Rumänen den Deutschstämmigen trotzdem zum Staatschef gewählt, denn er verkörpert in ihren Augen genau jene Tugenden, die sie der Führungselite ihres Landes absprechen. Verlässlich, ehrlich und skandalfrei: Mit diesen Attributen hat sich Iohannis den Wählern erfolgreich als künftiger Präsident angedient.

In Rumänien , das seit Jahren von Machtkämpfen, Korruptionsaffären und Wirtschaftskrisen beherrscht wird, traf er damit einen Nerv. Der 42-jährige Regierungschef Ponta hingegen scheiterte trotz seiner Favoritenrolle mit dem Versuch, nach der Parlamentsmehrheit auch das Präsidentenschloss mit Lausbubencharme und forschem Populismus zu erobern. Iohannis wirkt da wie der personifizierte Gegenentwurf. Mit seinem Demokratischen Forum der Deutschen in Siebenbürgen zog er vor 14 Jahren als Bürgermeister ins Rathaus von Sibiu (Hermannstadt) ein. Drei Mal wurde er seither wiedergewählt. Während seiner Amtszeit stieg die europäische Kulturhauptstadt von 2007 zu einem der beliebtesten Reiseziele des Landes auf. Über die Jahre etablierte sich der frühere Physikprofessor in der Politik, so dass ihn im Oktober 2012 drei Oppositionsparteien als neuen Regierungschef durchsetzen wollten. Die Parlamentsmehrheit war dafür, doch der Plan scheiterte am Widerstand des damaligen Staatschefs Traian Basescu, den er nun im Amt beerbt. Bei der Präsidentschaftswahl trat Iohannis für die Christlich-Liberale Allianz (ACL) an - und errang einen überraschenden Triumph, obwohl er gleich zwei gesellschaftlichen Minderheiten angehört.

Iohannis ist Rumäne, hat aber deutsche Wurzeln - und er spricht beide Sprachen fließend. Er ist einer von 36 000 Rumäniendeutschen unter den 20 Millionen Landesbewohnern. Außerdem gehört er der evangelisch-lutherischen Kirche an, während 90 Prozent der Bevölkerung orthodox sind. Herkunft und Konfession - diesen doppelten Malus spielten Iohannis' Gegner genüsslich aus. "Ich will mir nicht vorwerfen lassen, orthodox und rumänisch zu sein", stichelte Ponta im Wahlkampf. Aus dem Regierungslager hieß es, der kinderlose Herausforderer sei "kein richtiger Rumäne" und stelle den persönlichen Reichtum über eine Familienplanung.

"Wie kann man mir vorwerfen, nicht rumänisch zu sein, wenn meine Familie seit 900 Jahren hier lebt?", konterte Iohannis empört. Seine Vorfahren waren sächsische Siedler aus dem heutigen Luxemburg, die sich im 12. Jahrhundert in Transsylvanien ansiedelten. Der Familienname "Johannis" blieb bei den Siebenbürger Sachsen in der Region über Jahrhunderte präsent, doch während der kommunistischen Herrschaft verfügte das Bürgermeisteramt von Sibiu, dass der neugeborene Klaus nach geltender Orthografie "Iohannis" zu heißen habe. All dies schildert Iohannis in einer jüngst in Bukarest erschienenen Autobiografie, deren Titel auch seinem Credo entspricht: "Schritt für Schritt" (original "Pas cu pas") hat er sich konsequent hochgearbeitet - immer begleitet mit dem Gefühl ein Außenseiter im eigenen Land zu sein. Als Chef des krisengebeutelten Staates will Iohannis, der deutsche Rumäne, deshalb vorrangig eins sein: "der Präsident aller Rumänen".