| 22:00 Uhr

Angstscheiß
Duft in der U-Bahn

Das ist die Berliner Luft“, schwärmt ein alter Schlager. Doch offenbar ist die Wiener Luft noch besser. Denn die Fahrgäste dort ziehen die natürliche Raumluft der Beduftung ihrer U-Bahnen vor. Vielleicht lag es ja an den Düften „Relax“, „Energize“ und „Happy Enjoy“, die zum ÖPNV nicht passen. Von Pia Rolfs

Angebracht wären aus Sicht deutscher Pendler eher die Düfte „Hetz“, „Fußschwize“ (Denglische Schreibweise für „Fußschweiß“) und „Unhappy No Joy“. Eine Konfrontation mit den natürlichen Gerüchen in der Bahn kann die Sinne schulen. So soll es erfahrene Pendler geben, die Sprintschweiß (nach dem Rennen zur U-Bahn), Angstschweiß (vor manchen Mitreisenden) und Wärmeschweiß (in überhitzten Waggons) voneinander unterscheiden können. Und einige sind in der Lage, im Gesamtgestank das Käsebrötchen des Hintermanns weiter vom duschverweigernden Mitreisenden olfaktorisch zu trennen. Dabei bilden sich ganz neue Gehirnareale!

Im Grunde ist der ÖPNV (Öffentlicher Parfum-Nein-Vorstoß) also eine Art Schnupperkurs, der zu Recht teuer bezahlt wird. Manche kommen dabei allerdings nicht sehr weit und stellen nur undifferenziert fest: „Das stinkt mir.“