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Die ungewisse Zukunft der Christsozialen
Die CSU schiebt Berlin den schwarzen Peter zu

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Beim Parteitag war von der absoluten Mehrheit keine Rede mehr. Jetzt geht es den Christsozialen nur noch darum, mit möglichst großem Abstand stärkste Kraft zu bleiben. Von Hagen Strauss

So klein ist inzwischen der Anspruch der einst so großen und stolzen CSU geworden. Der Niedergang hat viele Gründe – und Väter. Einer davon ist ohne Zweifel Horst Seehofer. Seine Verdienste als Ministerpräsident, der er zehn Jahre lang im Freistaat war, sind unbestritten. Doch als Bundesinnenminister hat Seehofer seiner Partei bisher einen Bärendienst erwiesen. Der CSU-Chef lässt die große Koalition partout nicht in ruhiges Fahrwasser kommen, was bis nach München wirkt. Dabei könnte er einfach nur seinen Job machen. Doch Seehofer sorgt lieber für Regierungskrisen. Hinzu kommt ein strategisches Dilemma: Die CSU hat mit Söder und Seehofer zwei Machtzentren, die sich gegenseitig bekämpfen, da beide in persönlicher Abneigung miteinander verbunden sind. Das schwächt die Partei insgesamt. Wie immer, wenn es schlecht läuft, sucht die CSU die Gründe in Berlin. Zu wenig Rückenwind, zu umstritten die Politik der Kanzlerin. Doch diesmal ist das wenig glaubhaft. Denn in den letzten Monaten hat nicht Angela Merkel das Bild der Koalition geprägt, auch wenn man sich das gewünscht hätte durch klarere Worte zu Maaßen, durch einen schärferen Umgang im Bundestag mit der AfD, wie Söder es auf dem CSU-Parteitag richtigerweise vorgemacht hat. Wer also in Bayern die Schuld in Berlin sucht, muss in die eigenen Reihen schauen.