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Druck auf Zuckerbergs Netzwerk
Die Welt bietet mehr, als der Facebook-Algorithmus vorgibt

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KK_Kloeckner_Sebastian.jpg FOTO: Müller, Astrid / SZ
Ein Internet-Unternehmen missbraucht Daten. Ist das wirklich ein Skandal oder war das nicht ohnehin abzusehen? Gelegenheit macht Diebe. Das war schon so, bevor es Facebook gab, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Trotzdem ist es gut, dass jetzt endlich mal ein Aufschrei um die Welt geht. Dass es in der schönen Facebook-Welt mal ein bisschen regnet. Vielleicht wächst daraus etwas, was den Biorhythmus des Unternehmens ein wenig verändert. Besonders groß ist die Hoffnung nicht, aber es gibt sie. Genauso wie es die Hoffnung gibt, dass die Banken keine neue Finanzkrise mehr herbeispekulieren, dass die Autoindustrie uns keine manipulierten Werte mehr liefert, dass Fußball-Weltmeisterschaften ohne Bestechung vergeben werden und Politiker keine schwarzen Kassen anlegen. Von Sebastian Klöckner

Ein Internet-Unternehmen missbraucht Daten. Ist das wirklich ein Skandal oder war das nicht ohnehin abzusehen? Gelegenheit macht Diebe. Das war schon so, bevor es Facebook gab, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Trotzdem ist es gut, dass jetzt endlich mal ein Aufschrei um die Welt geht. Dass es in der schönen Facebook-Welt mal ein bisschen regnet. Vielleicht wächst daraus etwas, was den Biorhythmus des Unternehmens ein wenig verändert. Besonders groß ist die Hoffnung nicht, aber es gibt sie. Genauso wie es die Hoffnung gibt, dass die Banken keine neue Finanzkrise mehr herbeispekulieren, dass die Autoindustrie uns keine manipulierten Werte mehr liefert, dass Fußball-Weltmeisterschaften ohne Bestechung vergeben werden und Politiker keine schwarzen Kassen anlegen.

Die Daten der Nutzer bleiben auch nach dem Bekanntwerden des Skandals um den Daten-Missbrauch von Cambridge Analytica zur Wahlbeeinflussung bei den großen Kraken. Facebook, Google, Apple und Co werden sie natürlich in ihrem Sinne einsetzen. Trotzdem trägt jede Diskussion zur Veränderung bei. Sowohl innerhalb der Unternehmen als auch bei uns Nutzern. Und irgendwann auch in der Politik. Immerhin hat sie bereits ein Netz-Gesetz geschaffen. Und in den USA und England machen Abgeordnete ein bisschen Druck auf Mark Zuckerberg. Wann der Facebook-Gründer endlich Konsequenzen spürt, klare Grenzen für seine und andere Tech-Unternehmen durchgesetzt werden und eine ordentliche Besteuerung kommt, bleibt abzuwarten. Trotzdem muss den Datenkraken von den Politikern dieser Welt immer wieder klar gemacht werden, dass sie mehr sind als nur eine Plattform. Dass sie auch eine große Verantwortung für die Inhalte auf ihren Seiten haben.

Da bis zur Umsetzung dieses Wunsches noch sehr viel Zeit vergehen wird, bleibt es an uns, den Umgang mit den sozialen Netzwerken zu ändern. Das Löschen des eigenen Profils aus Angst um den Datenschutz gehört übrigens nicht dazu. Es ist zwar ganz nett, wenn einige somit ein Zeichen setzen, aber es wird Facebook nicht erschüttern. Wer sich für das Internet entscheidet, entscheidet sich aktuell auch für die Weitergabe von Daten. Wer sich dessen bewusst ist, hat wahrscheinlich weniger Schmerzen.



Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder das System vor Augen zu führen. Die großen Internet-Unternehmen wollen, dass wir uns wohlfühlen, immer wieder kommen und klicken, bis die Maus quietscht. Wir sollen konsumieren, was uns ohnehin schon gefällt, und zwar immer wieder. Dabei sollen wir viel Werbung ansehen und am besten auch noch Geld ausgeben. Das ist auf der einen Seite ganz schön. Es gibt einem ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man auf so viel Gleichgesinnte trifft. Es führt aber auch dazu, dass man verdrängt, dass die Welt mehr zu bieten hat als es der Facebook-Algorithmus vorgibt. Deswegen gilt für Jung und auch für Alt: Nicht nur am Rechner hängen, sondern auch mal rausgehen, Radio hören und Zeitung lesen. Denn die Welt spielt sich nicht in einem errechneten Newsfeed ab.