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Berliner Notizen
Die CDU und die zehn Gebote

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Böse Zungen behaupten, Parteien haben nur deshalb ein Grundsatzprogramm, damit die eine der anderen nicht vorwerfen kann, sie habe keines. Gelesen werden die umfänglichen Texte jedenfalls kaum. Gerade unterzieht die CDU ihre gut 120 Seiten langen Grundsätze einer Grunderneuerung. Und die neue Generalsekretärin Annegret-Kramp-Karrenbauer plant offenbar Revolutionäres. Danach befragt, inwieweit man den Text verschlanken könnte, sagte sie: „Das Schlankeste sind die zehn Gebote.“ Nun muss die CDU „nur“ noch eine ähnlich zündende Botschaft finden wie seinerzeit der liebe Gott. Von Stefan Vetter

Böse Zungen behaupten, Parteien haben nur deshalb ein Grundsatzprogramm, damit die eine der anderen nicht vorwerfen kann, sie habe keines. Gelesen werden die umfänglichen Texte jedenfalls kaum. Gerade unterzieht die CDU ihre gut 120 Seiten langen Grundsätze einer Grunderneuerung. Und die neue Generalsekretärin Annegret-Kramp-Karrenbauer plant offenbar Revolutionäres. Danach befragt, inwieweit man den Text verschlanken könnte, sagte sie: „Das Schlankeste sind die zehn Gebote.“ Nun muss die CDU „nur“ noch eine ähnlich zündende Botschaft finden wie seinerzeit der liebe Gott.

Verkehrsminister Andreas Scheuer ist selbst ein aktiver Verkehrsteilnehmer. Die Hobbys des CSU-Mannes: alte Fahrzeuge. Medienberichten zufolge gehören ein Mercedes 450 SL, Baujahr 1977, eine Vespa, ein englischer Road­ster sowie ein BMW 325ix, Baujahr 1987, zu seinem privaten Fuhrpark. Auf den BMW ist er besonders stolz. Fuhr damit doch schon der CSU-Säulenheilige Franz-Josef Strauß. Da tut es auch nichts zur Sache, dass so ein Gefährt auf 100 Kilometern locker zehn Liter Sprit schluckt. Scheuer ist ja nicht Umweltminister.



Jens Spahn und Angela Merkel sind bekanntlich nicht gerade eine Herz und Seele. Der CDU-Aufsteiger piesackt die Kanzlerin mit seinen konservativen Parolen, wo immer er kann. In einem Interview sollte Spahn Auskunft über sein Verhältnis zu Merkel geben. Knappe Antwort: „Es war immer gut.“ Wohlgemerkt, es war.

Martin Schulz ist nur noch Hinterbänkler. Die einstige SPD-Hoffnung sagt von sich selbst, dass 2017 das „beschissenste“ Jahr seiner politischen Karriere war. Muss man sich um ihn Sorgen machen? Eher nicht. Schließlich hat er sich auch in früheren Krisen immer wieder aufgerappelt. Angeblich freut sich Schulz schon länger darauf, ein Buch über Kaiser Karl V. zu schreiben. Das würde passen. Schließlich trat der Habsburger 1556 ebenfalls zurück und teilte seine Ländereien zwischen dem ältesten Sohn und dem jüngeren Bruder auf.