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Ex-Sicherheitsberater Flynn
Der Absturz eines verbitterten US-Helden

 Michael Flynn stand früh zu Donald Trump. Hat er ihn nun belastet?
Michael Flynn stand früh zu Donald Trump. Hat er ihn nun belastet? FOTO: dpa / Carolyn Kaster
Washington. Wenige Stunden vor der Urteilsverkündung meldete sich Donald Trump via Twitter zu Wort, um Michael Flynn viel Glück zu wünschen. Falls es sarkastisch gemeint war, dann gab sich der US-Präsident viel Mühe, es zu verbergen. Von Frank Herrmann

Mit Flynn, der für gut drei Wochen Nationaler Sicherheitsberater war, musste sich zum ersten Mal ein hochrangiges Mitglied der Regierung Trump vor Gericht verantworten. Und dabei ein Kronzeuge Robert Muellers, des Sonderermittlers der Russlandaffäre.

Was genau der 60-Jährige über die Kontakte zwischen Trumps Wahlkampfteam und dem Kreml erzählte, ist nicht bekannt. Offensichtlich war es so substanziell, dass Mueller vorschlug, dem ehemaligen Drei­sternegeneral eine Haftstrafe zu ersparen.  Ob der Richter dem folgen würde, sollte sich gestern am späten Abend (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) entscheiden.

Wie auch immer, die restlose Entzauberung eines einst zum Helden verklärten Generals ist ein Absturz, wie ihn Amerika nur selten erlebt. In Afghanistan und im Irak hatte sich Flynn den Ruf erworben, ein einfallsreicher Stratege des Kampfes gegen Terroristen zu sein. Er verstand sich darauf, extremistische Netzwerke aufzuspüren und aufzudröseln. Er galt als hochintelligent und überdies – worauf das amerikanische Militär großen Wert legt – als politisch neutral. Zurückgekehrt in die USA, wurde er 2012 von Barack Obama zum Direktor der Defense Intelligence Agency, des Militärgeheimdiensts, befördert. Und zwei Jahre darauf bereits wieder entlassen, da er ständig bei seinen politischen Vorgesetzten im Weißen Haus aneckte.



Es war wohl das Schlüsselerlebnis, das aus dem nüchternen Analytiker einen Anhänger abstruser Verschwörungstheorien werden ließ. Offenbar aus Verbitterung verbündete er sich mit der „Birther“-Bewegung, die – eine Zeit lang angeführt von Donald Trump – das Gerücht in die Welt setzte, Obama sei nicht auf Hawaii geboren, sondern in Kenia oder Indonesien, weshalb er gar nicht im Oval Office sitzen dürfte. 2015 traf sich Flynn erstmals mit Trump. Während das konservative Establishment zunächst einen Bogen um den schrillen Immobilientycoon machte, gehörte er zu jener überschaubaren Riege einst anerkannter Experten, die das Getöse des Reality-TV-Stars mit inhaltlicher Substanz untermauern sollten. Doch statt Trump zu bremsen, spitzte er dessen populistische Rhetorik bisweilen noch zu.

Flynn nutzte sein Comeback, um viel Geld zu verdienen. Mit dem kalifornischen Geschäftsmann Bijan Rafiekian gründete er die Flynn Intel Group, darauf spezialisiert, Lobbyarbeit für ausländische Kunden zu betreiben. Von Ekin Alptekin, einem eng mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verbandelten Unternehmer, kassierte die Firma 530 000 Dollar für einen Publicity-Feldzug, der die Auslieferung Fethullah Gülens nach Ankara erreichen sollte. Auch die russische Regierung schien sich einiges zu versprechen von Flynns Kontaktnetzwerk. 2015 zahlte sie ihm 33 750 Dollar, damit er zu einer Gala des Senders Russia Today nach Moskau reiste. Dort saß er im Smoking neben dem Präsidenten Wladimir Putin.

Nach dem Wahlsieg belohnte Trump den Generalleutnant a.D. für seine Dienste, indem er ihn als Nationalen Sicherheitsberater ins Weiße Haus holte. Schon nach 24 Tagen allerdings musste Flynn zurücktreten, nachdem bekannt geworden war, dass er unter anderem das FBI über seine Gespräche mit dem russischen Botschafter in Washington belogen und damit eine Straftat begangen hatte. Danach bedrängte Trump den damaligen FBI-Direktor James Comey, er möge von Nachforschungen gegen Flynn absehen. Comey weigerte sich, worauf er prompt seinen Hut nehmen musste. Daraufhin erst wurde Mueller als Sonderermittler der Russlandaffäre eingesetzt.