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Kommunalwahl in Türkei
Denkzettel für Erdogan

Der türkische Präsident Erdogan hatte die Kommunalwahlen in seinem Land vom Sonntag zur Schicksalswahl erklärt. Tatsächlich ist das Ergebnis bemerkenswert – aber nicht unbedingt in dem Sinn, in dem Erdogan das wünschte.

Erdogan hat einen Denkzettel der Wähler erhalten: Seine Partei AKP hat wohl die Macht im Rathaus der Hauptstadt Ankara verloren.

Nun stellt sich die Frage, wie der Präsident und seine Partei mit dem Rückschlag umgehen. Vor der Wahl hatte Erdogan angekündigt, etlichen Oppositionsbewerbern die Mandate zu entziehen. So drohte er, den Wahlsieger von Ankara, Oppositionspolitiker Mansur Yavas, gleich wieder abzusetzen.

Taktische Fehler des Präsidenten sind aber nicht der wichtigste Grund für das Ergebnis: Die Wirtschaftskrise hat Erdogan schwer geschadet. Bisher stand die AKP bei vielen Türken für wachsenden Wohlstand. Gestern jedoch blieben AKP-Wähler zu Hause oder liefen zur Konkurrenz über, weil sie die Regierung für Rezession, Arbeitslosigkeit und Währungsverfall verantwortlich machten.



Thomas Seibert