| 23:09 Uhr

Das langjährige Klima-Zugpferd lahmt

Kopenhagen. Der Klimagipfel in Kopenhagen beginnt mit vielen hoffnungsvollen Zeichen: 110 Staatenlenker wollen mitmischen - bei einem Treffen, das ursprünglich nur auf Ministerebene geplant war. Kurz vor Beginn der Tagung sagte auch noch US-Präsident Barack Obama für den letzten, wichtigsten Verhandlungstag seine Teilnahme zu Von dpa-Mitarbeiterin Simone Humml

Kopenhagen. Der Klimagipfel in Kopenhagen beginnt mit vielen hoffnungsvollen Zeichen: 110 Staatenlenker wollen mitmischen - bei einem Treffen, das ursprünglich nur auf Ministerebene geplant war. Kurz vor Beginn der Tagung sagte auch noch US-Präsident Barack Obama für den letzten, wichtigsten Verhandlungstag seine Teilnahme zu. Mehr Länder als jemals zuvor in den Klimaverhandlungen haben bereits Klimaziele auf den Tisch gelegt, verkündete UN-Klimachef Yvo de Boer. Und es zeichnet sich ab, dass als Soforthilfe zumindest zehn Milliarden Dollar (6,7 Milliarden Euro) pro Jahr für Entwicklungsländer bereitgestellt werden können. Die Zeit für bloße Worte sei vorbei, so Boer.Doch bis zum Erfolg ist es noch ein weiter Weg: Die Klimaschutzziele sind nach Aussagen von Forschern zu schwach, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Die Industrie- und Schwellenländer sind sich noch nicht einmal über das Basisjahr für den Treibhausgasausstoß einig, und Entwicklungsländer fordern bis 2020 noch weit höhere Finanzzusagen. Und die Zeit drängt: 2012 läuft das Kyotoprotokoll aus, und die Vereinbarung von Kopenhagen soll dies ersetzen. Das Kyotoprotokoll brauchte acht Jahre, bis es in Kraft trat. Die Gipfelteilnehmer blicken zunächst gespannt auch auf den EU-Gipfel an diesem Donnerstag und am Freitag. Denn das langjährigen Zugpferd vieler Klimakonferenzen lahmt. Die EU hat zwar vereinbart, von 1990 bis 2020 die Emissionen um 20 Prozent zu senken. Wenn andere Länder mitmachen, sogar um 30 Prozent. Doch ist fraglich, was dabei berechnet wird. Die ehemaligen Ostblockländer haben nach der Wende und dem Zusammenbruch der Industrie ihre Treibhausgasausstoß extrem verringert: Polen um 30, Rumänien um 45 Prozent gemessen von 1990 bis 2007. Dürfen sie auch nach 2012 noch von dieser so genannten "heißen Luft" zehren und Emissionsgutscheine an andere Länder verkaufen? "Wenn die Übernahme der heißen Luft erfolgt, dann müssten die Reduktionsziele entsprechend verschärft werden", fordert der Politikchef von Greenpeace Deutschland, Stefan Krug. Es ist noch nicht klar, ob es bis nächsten Freitag eine gemeinsame EU-Position dazu geben wird. Auch bei einem weiteren Hauptpunkt des Klimagipfels, den Finanzzusagen der Industriestaaten an die Entwicklungsländer, schauen die Teilnehmer der Klimakonferenz auf den EU-Gipfel in Brüssel. Das Geld brauchen ärmere Staaten für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung sie sollen ja trotz Wirtschaftswachstum in Zukunft nicht so soviel Treibhausgase ausstoßen, wie heute die reichen Staaten der Erde. UN-Klimachef de Boer nannte konkrete Vorstellungen: 2010 bis 2012 jeweils zehn Milliarden Dollar, später müssen es wesentlich mehr werden. Über die erste Zahl haben unter anderem die USA, Frankreich, Deutschland und Großbritannien im Gipfelvorfeld bereits gesprochen. Die EU hat als erste Ländergruppe anerkannt, dass der Bedarf bis 2020 auf 100 Milliarden Euro wachsen wird. Doch sie streitet noch heftig über einen Verteilungsschlüssel.</bu_text>