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Berliner Notizen
Putin und die Ackerfurche

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Der Wettbewerb der CDU-Kandidaten hat auch so manchen guten Gag hervorgebracht. Zum Beispiel den hier von Annegret Kramp-Karrenbauer: „Ich bin dieser Tage gefragt worden, ob ich in der Lage sei, Wladimir Putin auf Augenhöhe zu begegnen“, meinte sie auf einer der Regionalkonferenzen. Von Hagen Strauss

„AKK“ weiter: „Wenn ich meine beiden Mitbewerber so angucke, dann bin ich die Einzige, die Wladimir Putin auf Augenhöhe begegnen kann!“ Putin ist 1,68 m groß, „AKK“ nicht viel größer.

Jens Spahn hingegen, Konkurrent von Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister, bekam Lob von den Genossen, namentlich von Karl Lauterbach. Der Gesundheitsexperte befand zunächst einmal, dass auf Twitter die SPD die stärkste Partei im Bundestag wäre. „Vielleicht sind die Leute bis auf Spahn nicht interessant genug“, spekulierte Lauterbach über die Union. „Spahn redet zwar viel Quatsch, aber unterhaltsam. Ein Top Mann für das Marketing.“ Und: „Er kann alles verkaufen“. Stimmt.



Anja Karliczek, die Bildungsministerin, die kaum einer kennt, sorgte in dieser Woche für Aufregung. Erst erweckte sie Zweifel an der Homo-Ehe, dann befand sie, dass die Mobilfunktechnik 5G „nicht an jeder Milchkanne notwendig“ sei. Widerspruch kam prompt von Digitalministerin Dorothee Bär, die auch kaum jemand kennt. „Künftig muss jede Ackerfurche vernetzt sein“, hielt sie Karliczek entgegen. Da bekommt die Kanzlerinnen-Bemerkung vom „Neuland Internet“ eine wahrhaft bodenständige Bedeutung.

So sorgt man für Mehrheiten. Im Bundestag kam es am Donnerstag zu einer skurrilen Begebenheit – unter Mitwirkung der Kanzlerin. Die komplette Regierung rannte in die Reihen der Parlamentarier, als über einen Antrag zur digitalen Sicherheit abgestimmt wurde. Ansonsten wäre es knapp geworden mit einer Mehrheit. Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) kommentierte süffisant: „Im Moment sind wir regierungslos. Gefällt es Ihnen da unten besser?“ Da musste auch Angela Merkel grinsen.