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Berliner Notizen
Der „Tatort“ muss sein

 Hagen Strauss
Hagen Strauss FOTO: SZ / Robby Lorenz
Der Dreikampf in der Union um den Parteivorsitz könnte so spannend werden wie ein „Tatort“. Am Ende wird dann vermutlich Armin Laschet die besten Karten haben. Denn der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist Krimi-erprobt. Von Hagen Strauss

In dieser Woche verriet er, was er nach seiner Wahl zum Parteichef unbedingt beibehalten wolle: „Sonntags den Tatort schauen.“ Kürzlich hatte Laschet ja sogar eine kleine Nebenrolle in dem TV-Dauerbrenner. Er spielte sich selbst.

Das Händeschütteln ist derzeit out. Wegen des Coronavirus. Selbst Innenminister Horst Seehofer verweigerte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor laufenden Kameras mit einem breiten Grinsen den Handschlag. Auch zu Beginn der Fraktionssitzungen am Dienstag winkten sich die Parlamentarier nur kurz zu oder nickten mit dem Kopf. „Nö, lass mal lieber“, sagte einer der Abgeordneten im Sitzungssaal der Union. „Wer weiß, vielleicht sieht uns Seehofer noch.“ Der Bayer stand tatsächlich nur wenige Meter weiter.



Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, hat seinen Humor noch nicht verloren. Der SPD-Mann ist massiv bedroht worden. So schrieben ihm Rechte, sie würden ihm „die Wampe aufschlitzen“. Den Vorfall brachte Justizministerin Christine Lambrecht am Donnerstag im Bundestag nochmal zur Sprache, weil aus der AfD die Drohung mit „gerechter Zorn“ quittiert worden war. Jedenfalls twitterte Roth jetzt: „Nur mal so: Ich habe keine Wampe, liebe Rechtsterroristen!“

Ob sich Christian Lindner einen Gefallen getan hat? Am Dienstag trat der SPD-Mann und Unternehmer Harald Christ im Büro des Parteichefs in die FDP ein. Daraufhin fragten viele kritisch, ob sie als Neumitglieder auch so einen Empfang bekämen. Also versprach Lindner bei Facebook, er werde jeden zum Kaffee einladen, der bis Mitternacht in die FDP eintrete. Der Ansturm war wohl groß, ob immer ernstgemeint, sei dahingestellt. Nun hat Lindner aber ein Problem mehr – und zwar ein Kaffeeproblem.