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| 22:22 Uhr

Athen überrascht mit Vernunft und guten Zahlen

Amsterdam. Lob für Griechenland - es ist lange her, dass sich Europas Finanzminister derart anerkennend über Athen geäußert haben. Doch gestern bei einem Treffen in Amsterdam sparten die Kassenwarte der Euro-Zone nicht mit aufmunternden Worten. "Es wurden substanzielle Fortschritte erzielt", stellte der Chef der Währungsunion, Jeroen Dijsselbloem , fest. "In allen Schuldenfragen stehen wir kurz vor einer Einigung oder haben sie schon erreicht", unterstrich EU-Währungskommissar Pierre Moscovici. Und sogar Christine Lagarde , die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), sagte: "Ich kann mit Freude feststellen, dass alle Arbeiten für Rettungs- und Notmaßnahmen weit vorangekommen sind." Mahnungen, Belehrungen, Druck - all das schien plötzlich Geschichte. Detlef Drewes

Die erste Überraschung konnte Athen schon vor Tagen nach Brüssel melden: Der Primärüberschuss, bei dem die Schuldenverpflichtungen ausgeblendet werden, liegt mit plus 0,7 Prozent deutlich über den Erwartungen. Nun berichtete der hellenische Finanzminister Euklid Tsakalatos, dass die Regierung bereit sei, die große Rentenreform mit Kürzungen von bis zu 15 Prozent durchzusetzen - ebenso wie eine lange umstrittene Anhebung der Mehrwertsteuer von 23 auf 24 Prozent. Hatte Premier Alexis Tsipras noch am vergangenen Wochenende in einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel geklagt, er habe "keine Mehrheiten für die Reformen mehr", weht der Wind inzwischen anders. Mehr noch: Sogar das vom IWF geforderte Vorsorge-Programm will Athen billigen. Darin soll sich das Land präventiv zu weiteren Einschnitten verpflichten, falls die Wachstumsziele nicht erreicht werden. Lagarde sagte gestern deutlich, was man erwartet: einen Automatismus, den keine griechische Regierung stoppen kann.

Man hat aus dem verlorenen ersten Jahr unter Tsipras gelernt. Viel zu lange musste man sich mit seinem Widerstand gegen die Forderungen der Geldgeber herumschlagen, ehe er bereit war, das Land wieder in die Spur zu bringen. Jetzt weiß Tsipras, was er für diese Anstrengungen erwarten kann: Der Euro-Raum zeigte sich in Amsterdam offen für Schritte zur Linderung des Schuldendrucks. Zwar erklärte Wolfgang Schäuble , das Thema stünde für ihn "nicht im Vordergrund". Aber nach den Beratungen klang Dijsselbloem ganz anders: "Wenn Griechenland diese Reformen durchsetzt, werden wir über die Schuldennachhaltigkeit reden." Das könnte schnell gehen. Der Niederländer berief bereits für kommenden Donnerstag eine neue Sitzung der Währungsunion ein. Was da genau geplant ist, ließ er allerdings offen. Klar sei nur: "Es gibt keinen Schuldenschnitt."

Stattdessen wird über niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten diskutiert. Das soll dazu führen, dass die Sanierung Griechenlands nicht länger von einem Schuldenberg in Höhe von 177 Prozent der Wirtschaftsleistung verhindert wird. Wie sehr sich die Atmosphäre zwischen Griechen, den Geldgebern und den EU-Institutionen verändert hat, wurde in Amsterdam spürbar. Statt verhärteter Fronten gab es zum ersten Mal seit Jahren wieder so etwas wie ein konstruktives Miteinander. Wenn selbst Tsipras merkt, dass ihm Widerstand nichts, Zusammenarbeit aber viele neue Freiräume bringt, könnte es wirklich aufwärtsgehen. Vorausgesetzt, die Geldgeber begreifen auch, dass sie dem Land nicht die Luft zum Atmen nehmen dürfen.