| 22:11 Uhr

Glosse
Frauen für Deutschland

Noch immer ist nicht in Ansätzen zu erkennen, wie sich der ehemals beste Trainer der Welt den Neuanfang nach dem Russland-Desaster vorstellt. Wie wird aus dem bräsig gewordenen Herrn Löw wieder der heißhungrige Löwe, der uns 2014 den Titel schenkte? Von Thomas Schäfer

Sicher scheint: Özil ist raus. Viel zu schlecht. Vor allem gesanglich eine Katastrophe.

Aber sonst? Elfmeterüben wie die Engländer hat keinen Sinn, wenn man schon nach der Vorrunde heimfahren muss. Erotik-Orgien nach dem Vorbild Mexikos würden unter Umständen zwar den Teamgeist stärken, sind in Zeiten von #MeToo weiten Teilen vor allem der erregten Internetgemeinde aber nicht vermittelbar.

Dabei würden einige Frauen der Nationalelf sehr helfen. Dass in der Wirtschaft gemischte Teams mit Frauen und Männern erfolgreicher sind, ist längst durch viele Studien belegt. Und wird in diesen Tagen durch ein WM-Tippspiel unter Kolleginnen und Kollegen bestätigt: Vorm Halbfinale liegen drei Frauen an der Spitze. Der Titel ist der Damenwelt praktisch nicht mehr zu nehmen. Noch Fragen? Das konnte in Russland also nix werden. Bis auf Julian Draxler („Ich gehe nie ohne Parfüm auf den Platz“; echtes Zitat!) fehlte der Nationalelf einfach das feminine Fachwissen.