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Ausbildungsberufe
Maurer müssen zupacken können

Josef Schadl hat im Maurerhandwerk seinen Traumberuf gefunden.
Josef Schadl hat im Maurerhandwerk seinen Traumberuf gefunden. FOTO: dpa-tmn / Tobias Hase
München. Als Auszubildende verdienen sie gutes Geld. Dafür sind sie aber meist bei Wind und Wetter draußen.

(dpa) Ein Job am Fließband oder gar am Schreibtisch konnte sich Josef Schadl beim besten Willen nicht vorstellen. „Ich wollte raus, an die frische Luft“, sagt der 18-Jährige, der aus einem kleinen oberbayerischen Ort bei Altomünster stammt. In den Ferien hatte er bereits auf dem Bau gejobbt, in der Nähe seines Heimatortes bei der Roland Schweiger Bau GmbH. „Da hat er sich gut gemacht“, sagt der kaufmännische Leiter des Unternehmens, Roland Raich. Ein Ferienjob sei ein guter Weg, sich gegenseitig kennenzulernen. Alternativ können Jugendliche auch ein Praktikum bei einer Baufirma absolvieren.

„Das ist genau der Job, den ich wollte“, sagt Schadl, der nach seinem Realschulabschluss bei der Firma eine Ausbildung anfing. „Man kommt als Maurer rum, arbeitet auf verschiedenen Baustellen, und kein Tag ist wie der andere“, erzählt er. Bei manchen Einsätzen müssen Maurer auch mit Vertretern anderer Gewerke zusammenarbeiten. Somit sind Team- und Kommunikationsfähigkeit gefragt, sagt Alexander Dietz von der Handwerkskammer München und Oberbayern. „Der Job ist anstrengend, man ist schließlich bei Wind und Wetter draußen“, erklärt Dietz, der für die Nachwuchsförderung zuständig ist. Oft arbeiten Maurer das ganze Jahr auf Baustellen. Zum Teil übernehmen sie den Innenausbau. In manchen Bundesländern sind sie auch für das Verputzen der Bauten zuständig. „Der Maurer war lange Zeit der Einstiegsberuf auf dem Bau“, sagt Ilona Klein vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Zwar gibt es auf Baustellen auch Maschinen, die die Arbeit erleichtern, trotzdem wird noch viel von Hand gemacht. Nach den Plänen der Architekten erstellen Maurer Wände und Stützen, bei manchen Gebäuden auch besondere Gebilde wie Gewölbe. Zudem betonieren sie Fundamente und Decken.

Das der Job anstrengend ist, spiegelt sich in der Bezahlung wider. Angehende Maurer verdienen besonders gut. Im ersten Ausbildungsjahr bekommen sie in Westdeutschland 780 Euro, im zweiten Jahr sind es 1130 Euro und im dritten Jahr mehr als 1400 Euro.



Ausgelernte Maurer können sich weiterbilden, so Ilona Klein, und Vorarbeiter, Polier oder Kolonnenführer werden. Damit hätten sie quasi Management-Aufgaben. Denkbar sei auch, dass dann der Meister oder Techniker folgt. Eine Option, die sich auch Schadl nach seiner Ausbildung vorstellen kann: „Der Techniker wäre eine Absicherung, falls auf der Baustelle mal was passiert.“ Und es gibt noch weitere Aufstiegschancen. Wer den Meister absolviert hat, kann sogar zum Studium zugelassen werden, etwa in den Ingenieurwissenschaften.

 Roland Schweiger, der Chef von Josef Schadl, schaut bei Bewerbungen auch auf die Schulnoten, aber nicht in erster Linie. „Ich möchte die Bewerber in einem persönlichen Gespräch kennenlernen“, sagt er.

Maurer ist alles andere als ein aussterbender Beruf. Qualifizierte Fachleute werden im In- und Ausland gesucht, sagt Klein. Die Aufgabengebiete seien vielfältig: Baufirmen bekommen oft Aufträge im Bereich Hoch- und Tiefbau, für Einzel- und Mehrfamilienhäuser, aber auch für Industriebetriebe, Rathäuser, Schulen oder Kitas. Manche Firmen sind auf Jahre ausgebucht.

(dpa)